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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kirill Serebrennikow unter Auflagen in Freiheit

09.04.2019

Moskau Erleichtert schaut Kirill Serebrennikow beim Verlassen des Moskauer Gerichtsgebäudes. Mehr als anderthalb Jahre des zermürbenden Hausarrests mit massiven Einschränkungen seiner Freiheiten sind seit Montag für den 49-Jährigen vorbei. Erst einmal. Weltstars und prominente Politiker haben immer wieder laut gefordert, dass der an der Oper Stuttgart und auf Filmfestivals wie etwa in Cannes gefeierte Serebrennikow freikommt. Auch Kanzlerin Angela Merkel setzte sich bei Kremlchef Wladimir Putin für den bekannten Star ein. In der Kulturszene verbreitete sich die Nachricht vom überraschenden Gerichtsurteil zum Wochenstart wie ein Lauffeuer. Der Fall Serebrennikow liegt seit 2017 schwer wie Blei über der Kunstszene in Russland. Er gilt als Symbol des Umgangs mit Menschen, die Teilen des Machtapparats und vor allem der russisch-orthodoxen Kirche unbequem sind.

Doch so einfach dürfen Serebrennikow und seine drei Mitangeklagten die russische Hauptstadt nicht verlassen. Der Prozess wegen angeblicher Unterschlagung staatlicher Fördergelder in Millionenhöhe geht weiter. Aber wohl auch, weil es bis heute keinen richtigen Beweis für die Anschuldigungen gibt, lässt nun die für ihre Härte berüchtigte Justiz unerwartet Milde walten.

Doch auch der internationale Druck war groß. Immer wieder gab es Auszeichnungen im In- und Ausland. Ende März erhielt Serebrennikow in Abwesenheit den renommierten russischen Filmpreis „Nika“ – für die beste Regie. Sein voriges Jahr auch in Deutschland gezeigter Film „Leto“ erzählt die Geschichte des sowjetischen Rockstars Viktor Zoi. Zehntausende unterschrieben eine Petition, darunter die Schauspieler Cate Blanchett und Lars Eidinger. In seiner Heimat ist Serebrennikow wegen seiner mutigen Erzählweisen besonders bei prowestlich und liberal gesinnten Russen populär. Sein Verhältnis zu den Machthabern in Moskau bezeichnet Serebrennikow als distanziert. „Ich vertraue niemandem von ihnen“, sagte er einmal. Er gehört aber auch zu denjenigen kritischen Künstlern, die trotzdem den Dialog suchen mit den Mächtigen.

Zufrieden könne er erst sein, wenn diese ganzen „Scherereien“ vorbei seien, sagt Serebrennikow beim Verlassen des Gerichts. Erst im Fall eines Freispruchs kann er hoffen, seinen Reisepass wiederzubekommen.

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