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NWZonline.de Nachrichten Kultur

50 Jahre „mit Schirm, Charme Und Melone“: „Mrs. Peel, wir werden gebraucht“

17.10.2016

Frankfurt Am Main Emma Peel stoppt ihren Sportwagen Lotus Elan vor einer roten Ampel. Doch statt auf Grün umzuspringen, leuchtet der Schriftzug auf: „Mrs. Peel - wir werden gebraucht“. Dann sieht man ihren Partner John Steed, der in seinem Bentley die Melone zum Gruß lüftet. Die immer wieder variierte Aufforderung ist der Auftakt für eine Folge von „Mit Schirm, Charme und Melone“, voller Ironie, Wortwitz und Absurdität. Als Waffen setzt der stets tadellos gekleidete britische Geheimagent Steed (Patrick Macnee) seinen Schirm und seine stahlverstärkte Melone ein. Mrs. Peel (Diana Rigg) legt ihre Gegner mit Karateschlägen aufs Kreuz.

In Deutschland startete die Serie vor 50 Jahren im ZDF, am 18. Oktober 1966. Die erste Folge hieß „Die Roboter“: Ein Wissenschaftler im Rollstuhl schaltet seine Konkurrenten mit Hilfe von Robotern aus, die aufs Töten programmiert sind.

Mit dem leicht snobistischen Steed und der immer trendy gestylten Mrs. Peel wehte ein Hauch des „Swinging London“ in die deutschen Wohnzimmer. Steed und Peel wurden zu den beliebtesten britischen Serienhelden. „Die beste Unterhaltungsserie, die bisher im deutschen Fernsehen zu sehen war“, schrieb der Kritiker der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Und der 2008 gestorbene frühere Fernsehspiel-Redaktionsleiter im ZDF, Joachim Tettenborn, beschrieb: „Ganz Deutschland war in einem “Emma Peel und John Steed-Fieber““. Als die Darsteller Diana Rigg und Patrick Macnee 1967 für eine Show Peter Frankenfelds am Düsseldorfer Flughafen eintrafen, lösten begeisterte Fans ein Chaos aus.

„Mit Schirm, Charme und Melone“ war Pop in Reinkultur - wie die Beatles oder die Boutiquen der Londoner Carnaby Street. Nach jeder Folge, die das ZDF alle 14 Tage Dienstagabend um 21.15 Uhr sendete, durchstreiften Frauen die Läden auf der Suche nach der neuesten Peel-Mode. Extra für die Serie wurden Outfits von Designern maßgeschneidert. Modehit wurde der sogenannte „Emmapeeler“ - der mit Löchern und Schnallen verzierte eng anliegende schwarze Kampfdress Emmas.

Doch nicht nur modisch war die Serie Trendsetter. Mit Emma Peel habe „die erste wirklich emanzipierte Serienheldin“ die Fernsehlandschaft der 60er Jahre betreten, schreibt Franziska Fischer in ihrem Buch zur Serie. Durchsetzungsstark, kampfkräftig und klug bot sie den Männern Paroli. Der Name „Emma Peel“ entstand als Kürzel von „Man Appeal“ in Anlehnung an den Ausdruck „Sex Appeal“. Durch schnelles Sprechen wurde M. Appeal zu Emma Peel.

Ein Erfolgsrezept der Serie war es, sich übertrieben britisch bis zur Absurdität zu geben. Britisch höflich sind sogar die Killer: In „Willkommen im Dorf des Todes“ wird der Auftragsmörder mit gezogener Pistole von der Bibliothekarin auf das Schild „Ruhe“ in der Bibliothek aufmerksam gemacht. Der entschuldigt sich höflich, setzt einen Schalldämpfer auf und schießt erst dann.

Die Serie sei „ein surreales Pop-Märchen im Spionagemilieu“, urteilt Fischer. In Großbritannien brachte sie es von 1961 bis 1969 auf 161 Folgen mit vier verschiedenen Partnern und Partnerinnen an Steeds Seite. Mit der Hauptfigur des Arztes David Keel war sie auf Sendung gegangen. Als Keels Verlobte erschossen wird, macht er sich mit Unterstützung des Geheimagenten John Steed auf die Suche nach den Mördern. Daher auch der Titel der Originalserie „The Avengers“ - zu deutsch „Die Rächer“.

In Deutschland wurden von den insgesamt sechs Staffeln zunächst nur die vierte und fünfte mit Emma Peel aus den Jahren 1965 bis 1967 gezeigt. Diana Rigg, die damals in 16 Ländern zur Schauspielerin des Jahres gewählt wurde, habe die Serie zu Weltruhm katapultiert, schreibt Fischer. Für den Markt in den USA produzierte der britische Sender ABC Televison/ITV ab der zweiten Peel-Staffel in Farbe.

Trotz des Erfolges wurde die ambitionierte Theaterschauspielerin Rigg der TV-Produktion überdrüssig. In ihrer Abschiedsepisode reicht sie den Staffelstab an die Nachfolgerin Tara King weiter. Doch die neue Partnerin Steeds setzte sich nicht durch. Die Serie wurde 1969 eingestellt.

Sieben Jahre später stand Steed noch einmal mit zwei jüngeren Partnern für eine Neuauflage vor der Kamera, „The New Avengers“. Doch ohne das abgedrehte Sixties-Flair vermochte die Serie ebenso wenig die Fans zu überzeugen wie der Kinofilm aus dem Jahr 1998 mit Uma Thurman als Emma Peel und Ralph Fiennes als John Steed.

Zu einem würdigen Wiedersehen mit den Hauptdarstellern kam es bei dem erfolgreichen Kollegen James Bond: Diana Rigg schrieb Filmgeschichte als einzige Frau, die Bond heiratet („Im Auftrag Ihrer Majestät“, 1969). Ihre „Avengers“-Vorgängerin, die ebenfalls emanzipiert, kampfbereit und äußerst gebildet auftretende Honor Blackman, war die Gegenspielerin Bonds in „Goldfinger“ (1964). Und der im Jahr 2015 gestorbene Patrick Macnee spielte in „Im Angesicht des Todes“ (1985) - ganz in Steed-Manier - einen als Chauffeur getarnten britischen Agentenkollegen.

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