MüNCHEN - Der Holländer hat die Band mit seiner Kamera durch ihre ganze Karriere begleitet. 379 Bildtafeln bezeugen das.

Von Karsten Krogmann

MÜNCHEN - Er mochte es nicht, wenn seine Band fremdging. „Ich war so verletzlich“, gesteht der Holländer Anton seinem irischen Freund Bono: „Für mich war das fast eine Art Beziehungskrise.“ Also behielt er seine Band immer im Auge, reiste mit ihr nach Deutschland, nach Marokko, nach Amerika, zu den Sternen. 22 Jahre lang.

Anton Corbijn ist der berühmteste Rockfotograf der Welt. Bono Vox von U 2 ist der berühmteste Rocksänger der Welt. Und „U 2 & i“ ist bald das berühmteste Rockbuch der Welt: Drei Kilogramm ist es schwer, es passt in keine handelsübliche Tasche und kostet wahnsinnige 98 Euro. Dafür bekommt der Käufer in 379 Bildern allerdings nicht weniger als das ganze Leben der irischen Band U 2 und das des holländischen Fotografen Anton Corbijn.

Der zeichnet mit schnellen Strichen die Jahreszahl 1982 neben ein Foto, die Welt ist noch schwarzweiß. Unfertige Jungengesichter blicken entschlossen in die Kamera. Bono Vox, The Edge, Larry Mullen und Adam Clayton wollen Stars werden, und Anton Corbijn will ihnen dabei helfen. Später, als die Jungen Stars sind, tragen sie Sonnenbrillen. Doch die Pose hält nicht: Anton Corbijn behält die Musiker so lange im Auge, bis sich hier ein Lächeln ins Bild schleicht und dort ein Scherz sichtbar wird.

„Du hast nicht die Band fotografiert, sondern unsere Musik“, sagt Bono nach 22 Jahren zu seinem Freund Anton. Deshalb kannten die frühen Bilder nur Schwarz und Weiß, deshalb wirkten sie so ernst und entschlossen. Doch als U 2 den Humor entdeckten und das musikalische Experiment, reagierte Corbijn sofort: blitz, Bono und ein Esel, blitz, Bono und seine Familie, blitz, die vier Musiker und ihre Väter, blitz, alles wird bunt. Corbijn fotografiert die Musik u n d die Menschen.

Ex-Präsident Bill Clinton schreibt ein Grußwort ins Buch, Filmregisseur Wim Wenders, Rocksänger Michael Stipe. Den klügsten Satz steuert natürlich ein Schriftsteller bei, nämlich Salman Rushdie: „U 2 und Anton Corbijn haben einander verdient.“

Der Fotograf hat schließlich eine Therapie gemacht, um sich von seiner Eifersucht, von seinen Verlustängsten, „von diesem Quatsch“ zu befreien. Er war ja auch nie treu, wie sein erster Fotoband „famouz“ von 1988 zeigt, der jetzt neu aufgelegt wird: Da drin finden sich schwarzweiße Bilder, ernste Bilder, entschlossene Bilder, bis sich hier ein Lächeln einschleicht und dort ein Scherz sichtbar wird. Sie zeigen David Bowie, Tom Waits, Elvis Costello, Nina Hagen. Und natürlich immer wieder Corbijns Band, U 2 aus Irland.