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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ein Verhör in der Zeitschleife

10.12.2019

München Man nehme skurrile Charaktere, ein hervorragendes Drehbuch, tiefschwarzen Humor und zwei großartige Schauspieler – und schon hat man eine wunderbare, französische Komödie. „Die Wache“ von Quentin Dupieux ist ein herrlich absurdes, rasantes Kammerspiel mit Benoît Poelvoorde („Ein Becken voller Männer“) und Grégoire Ludig („Et ta soeur?“).

Die Ausgangssituation ist schräg: Ein Mann findet vor seinem Haus eine Leiche und ruft die Polizei. Er muss mit aufs Revier – und findet sich plötzlich in der Rolle des Hauptverdächtigen wieder. Sein Verhör will nicht enden. Immer wieder stellt Kommissar Buron die gleichen Fragen und so werden die Erinnerungen des völlig erschöpften
Fugain immer abstruser.

Schon zu Beginn setzt Dupieux den Ton: Ein Mann steht auf einer Wiese und dirigiert ein Orchester. Der Dirigent trägt nichts, bis auf eine rote Unterhose, schwarze Socken und Schuhe. Ganz selbstverständlich spielen die Musiker, als wäre der Anblick des halbnackten Dirigenten normal. Plötzlich kommt die Polizei und führt ihn ab – und schon sind wir auf der Wache, wo es keineswegs weniger eigenartig wird.

Allerlei skurrile Charaktere haben sich auf der Polizeistation versammelt. Poelvoorde ist der misstrauische Kommissar, der seinen Zeugen (Ludig) für verdächtig hält und immer weiter nachbohrt. Sieben Mal hat Fugain in der Nacht seine Wohnung verlassen, ist mit dem Aufzug nach unten gefahren und wieder zurückgekehrt. Doch was hat er jedes Mal gemacht?

Ganz banale Dinge, versucht Fugain zu erklären, erst geduldig, später zunehmend verzweifelt. Schließlich holt Buron seinen seltsamen Kollegen Philippe (Marc Fraize) dazu, was die Sache für Fugain nicht besser macht. Denn Philippe ist ebenfalls schräg. Sein Lieblingswort, das er in jedem seiner Sätze mindestens einmal sagt: „Sozusagen“, auf französisch „c’est pour ca“.

Im Drehbuch von Dupieux finden sich herrlich absurde Dialoge, randvoll mit tiefschwarzem und lakonischem Humor. Poolvoorde und Ludig werfen sich die Bälle gekonnt zu. Inmitten des spießigen und nüchternen Behördenapparats geraten sie in die unglaublichsten Situationen – und trotzdem wird es nie klamaukig und albern.

Das liegt auch an den beiden Schauspielern. Sie kosten die grotesken Momente des Films mit Begeisterung aus und verstehen es, auch ohne Worte, allein schon durch ihre Mimik, unglaublich komisch zu wirken. „Also machen wir nicht morgen weiter?“, fragt Fugain irgendwann zu sehr später Stunde hoffnungsvoll. „Nein, tut mir leid, wir sind hier nicht bei ,Wünsch dir was’“, entgegnet Buron mitleidslos.

Vorhersehbar ist in dem Film nichts und so nimmt „Die Wache“ immer wieder völlig unerwartete Wendungen. Zudem vermischen sich irgendwann die Zeitebenen. Buron, Philippe und andere tauchen plötzlich in den Erinnerungen Fugains an die Mordnacht auf und mischen sich ein. Dabei haben sich doch alle gerade erst kennengelernt. Fugain ist zutiefst genervt und stellt irgendwann verzweifelt klar: „Ich mag es nicht, wenn wir uns in meiner Erinnerung begegnen“.

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