MüNCHEN - Die gebürtige Berlinerin hat sich auch als Sängerin und Autorin versucht. Heute lebt Ingrid Steeger nach vielen Turbulenzen in München.

Von Jürgen Balthasar

MÜNCHEN - Sie hat die Schauspielerei nie regulär gelernt, dennoch wurden Fernsehen und Theater ihre Welt. Mit der TV-Serie „Klimbim“ von Michael Pfleghar hatte Ingrid Steeger in den 70er-Jahren ihren großen Durchbruch. Unvergessen ist ihre Rolle in der Comedy-Serie als Horrortochter Gaby aus der völlig durchgeknallten „Klimbim“-Familie, ebenso unvergessen sind ihre Auftritte als sexy Nummerngirl in Strapsen zwischen den Sketchen. Am 1. April wird Ingrid Steeger 60 Jahre alt.

„,Klimbim‘ war und ist mein Leben“, sagt sie rückblickend. „Das war das Beste, was mir passieren konnte.“ Die ARD-Serie, die als erste deutsche Comedy-Show gilt, schlug voll ein. Von 1973 bis 1979 liefen jedes Jahr sechs Folgen zur Hauptsendezeit.

„Eigentlich wollte ich nie Schauspielerin werden“, gesteht sie heute. Nach der Handelsschule arbeitete Steeger zunächst als Stenotypistin. „Aber dann habe ich ans Geld gedacht“, erinnert sich die gebürtige Berlinerin und jetzige Wahlmünchnerin. Nebenher arbeitete sie deshalb als Fotomodell und spielte dann in mehreren Sexfilmen mit. Erste kleine Fernsehrollen folgten, bis Steeger für „Klimbim“ verpflichtet wurde. Für die Serie erhielt Pfleghar 1975 den Adolf-Grimme-Preis in Silber, 2003 wurde die Reihe beim Deutschen Comedypreis mit dem Sonderpreis für die erste erfolgreiche Comedy-Show ausgezeichnet.

Steeger – ihr bürgerlicher Name ist Ingrid Anita Stengert – spielte nach ihrem Durchbruch in etlichen TV-Produktionen mit. So stand sie 1975 auch mit Therese Giehse und Günther Maria Halmer in der ARD-Serie „Münchner Geschichten“ vor der Kamera.

Wieder unter Pfleghars Regie spielte sie in der TV-Reihe „Zwei himmlische Töchter“ mit. Nach und nach wandte Steeger sich mehr dem Theater zu – auch um etwas vom Klischee der Sex- und Ulknudel wegzukommen. Mit vielen Stücken ging sie auf Theatertournee durch Deutschland, zuletzt 2004 bis 2006 mit dem Revival-Stück „Die Klimbim-Familie lebt“.

Die Bambi-Preisträgerin musste privat einige Turbulenzen durchstehen. 1973 bis 1975 war sie mit dem Kameramann Lothar Elias Stickelbruck verheiratet, danach hatte sie Beziehungen zu Pfleghar und dem Großwildjäger Peter Koenecke. Einige Jahre lebte sie bei Paris mit dem französischen Schauspieler Jean-Paul Zehnacker zusammen, danach war sie längere Zeit mit dem TV-Regisseur Dieter Wedel liiert. 1992 heiratete Steeger den amerikanischen Indianer-Poeten und Umweltschützer Tom LaBlanc, ein Jahr später trennte sie sich aber wieder.

„Ich bin eine kleine Zigeunerin“, sagt Steeger zu ihren vielen, auch liebesbedingten Umzügen – sie lebte unter anderem in München, Hamburg, Zürich, Kenia und Frankreich, bevor es sie 2001 wieder in die bayerische Landeshauptstadt zurückzog. „Immer wenn’s gereicht hat, war ich weg.“ Ihr autobiografisches Buch „Ein Glückskind darf auch weinen“ wurde 1989 kein Erfolg – das Gleiche gilt für Schallplatten, mit denen sie sich als Sängerin versuchte. Mit einem Ko-Autor arbeitet sie an einem neuen autobiografischen Buch.

Ihre wechselvollen Erfahrungen mit Männern hat Steeger 2003 in dem Comic-Buch „Meine Mannschaft“ beleuchtet. Als ständige Begleitung duldet die Schauspielerin, die sich gerade auf eine Theaterrolle in einer antiken Tragödie vorbereitet („Das ist mal was anderes“), nur noch ihre fünf Jahre alte Rauhaardackel-Dame „Adelaide“.

„Mein Hund ist mir wichtig, ohne Dackel existiere ich nicht.“ Männern gegenüber sei sie zwar nicht verbittert, aber vorsichtig geworden, sagte Steeger einmal in einem Interview. „Nur in einem Punkt bin ich unerbittlich: In meine Wohnung zieht kein Mann mehr ein.“