MüNCHEN - Die Enthüllungen über Luise Rinser (1911–2002) in der Nazi-Zeit haben auch ihren Sohn Christoph Rinser geschockt. Dennoch ist er sich sicher: „Sie war nie antisemitisch – ihren Lebtag nicht. Und sie war kein Nazi im engeren Sinn.“ Es bestehe aber kein Zweifel daran, dass sie stärker in das Nazi-Regime verstrickt war, als man ahnte und als sie jemals zugegeben hätte. Ihr Sohn hat an der Biografie „Luise Rinser – Ein Leben in Widersprüchen“ von José Sánchez de Murillo (S. Fischer Verlag) mitgearbeitet, die anlässlich des 100. Geburtstages der Schriftstellerin am 30. April auf den Markt gekommen ist.

Für weitere Forschungen möchte Christoph Rinser vor allem einen Briefwechsel seiner Mutter mit einer Freundin aus den Jahren 1929 bis 1944 genauer unter die Lupe nehmen. Die Freundin hatte die Briefe aufbewahrt und Luise Rinser für deren Autobiografie zurückgegeben. Jetzt sind sie im Besitz von Christoph Rinser. „Es gibt große zeitliche Lücken zwischen den Briefen“, sagte er. „Ich fürchte, dass meine Mutter den Briefwechsel bereinigt hat.“

Luise Rinser hat mehr als 30 Bücher geschrieben, die in rund zwei Dutzend Sprachen übersetzt wurden, darunter die Erfolge „Mitte des Lebens“ (1950), „Mirjam“ (1983) und „Abaelards Liebe“ (1991). 1984 schlugen die Grünen sie als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten vor.