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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Vorfreude auf neuen „Tatort“ steigt

18.08.2017

München /Wien Der Anfang führt aus dem Dunkel ins Licht, aus dem nächtlichen Chaos von Blut und Krankheit, aus Tod und Verzweiflung in die geordnete, saubere, helle Welt einer Polizeisporthalle. Der Weg führt vom westafrikanischen Guinea nach Wien. Autor Rupert Henning und Regisseurin Barbara Eder wählen problematische Kontraste, um in den Konflikt der „Tatort“-Folge „Virus“ einzuführen, mit deren Erstausstrahlung ORF und ARD am 27. August ab 20.15 Uhr die mehrwöchige Sommerpause für neue Folgen der Krimi-Reihe beenden.

Ein Mann, den die Flehenden als Doktor bezeichnen, verlässt fluchtartig das improvisierte Krankenhaus in Guinea, wo Dutzende dem Tode entgegensiechen. Tausende Kilometer und womöglich Stunden, Tage, Jahre davon entfernt messen sich die Bundespolizisten Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner unter den Augen ihres Chefs im sportlichen Ringkampf mit unangemessener und durchaus komischer Verbissenheit. Ja, die Rotzigkeiten, die Adele Neuhauser als Fellner den Kollegen immer wieder mit burschikoser Rauheit entgegenschleudert, machen einen Großteil des Charmes des Wiener Ermittlerduos aus.

Gleichzeitig wirken diese humoristischen Einsprengsel nur deshalb nicht auf unangenehme Weise ignorant oder eskapistisch, weil die Welt des urbanen Österreichs zunächst so sauber getrennt bleibt vom Elend Afrikas. Dann allerdings wird ein Toter gefunden, der diese Grenze offensichtlich überschritten hat, „ein Afrikaner“, „ein Schwarzer“ wohl, wie die Kommissare auf dem Weg zum Fundort in einem unverhohlen rassistischen Dialog zu klären suchen.

Der unidentifizierte Mann liegt erschlagen in einem Steinbruch im ländlichen Pöllau in der Steiermark, wo Albert Theuss (Andreas Kiendl) einen sogenannten Fluchthof betreibt. Geflüchtete aus Afrika finden dort eine Unterkunft und können erste tastende Schritte in den Provinzalltag wagen. Doch auch hier bricht sogleich eine seltsame Hektik aus. Menschen fahren einander in ihrer Muttersprache an, Gesichter in Großaufnahme schauen gehetzt umher, etwas treibt sie. Im „Tatort“ - eine ähnliche Bildsprache setzte etwa auch die Schweizer Folge „Schutzlos“ im Sommer 2015 ein - ist die Welt der Geflüchteten stets eine Welt der zunächst undurchschaubaren Gefahr.

Doch auch woanders, in den nur scheinbar ruhig inszenierten, dörflich-monopolistischen Strukturen, brodelt es. Thomas Reuss (Martin Niedermair), Alberts Bruder, betreibt den Steinbruch des Ortes. Er wollte am Tag vor dem Leichenfund unbedingt und ganz rasch eine kontrollierte Sprengung durchführen lassen. Dessen ungeachtet glaubt Eisner, eine Verbindung des Opfers zu einem Drogenring gefunden zu haben. War der Tote - wieder einmal - ein Dealer?

Die Spurensuche bricht abrupt ab, als dem schmierig-wortgewandten Gerichtsmediziner einmal kurz und ausnahmsweise die Spucke wegbleibt: Der Afrikaner war mit Ebola infiziert. Rasch fallen die zuständigen Behörden und ihre Exekutivkräfte in das Örtchen ein; der beschauliche Marktplatz ist bald vollgestopft von Einsatzfahrzeugen und herumhastenden Uniformierten. Für wenige Augenblicke entsteht angesichts dieser Bilder echte Beklemmung; die gänzlich unerwartete Katastrophe in der Provinz erweist sich als eindringlich spekulatives Horrorszenario.

Es ist an Markus Schleinzer, der den Einsatzleiter Klaus Rottensteiner mit einer erfrischenden Mischung aus mühsam herbeigezwungener Autorität, bürokratischer Spießigkeit und nackter Panik spielt, diese Beklemmung humoristisch aufzulösen. Nicht einmal die mögliche Infektion Bibi Fellners kann das glückliche Ende der Ermittlungen so richtig überschatten. Der fernen Möglichkeit einer Epidemie in der Steiermark gelingt dies schon gar nicht.

Und selbst der größten Gefahr, dem drohenden Abgrund tiefster Klischeehaftigkeit, kann Rupert Hennings Drehbuch schließlich entkommen. Die trügerische, scheinbar paradiesische Ruhe im ländlichen Raum der Industrienationen erlebt eine nachhaltige Erschütterung. Das schlechte Gewissen holt uns ein, es erinnert uns an den Preis des Paradieses - und das mit tödlicher Konsequenz.

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