Oldenburg - Wenn das große Karo über’s kleine Schwarze siegt und im Foyer die CD-Grabbelkiste steht, ist im Theater Country-Time angesagt – genauer „Bluegrass im Staatstheater“.
So heißt das Motto der Gastspielserie einer Initiative um den kulturell engagierten Ex-Banker Peter A. Reimers und den ehemaligen Neusüdende-Veranstalter Klaus Grotelüschen. Die beiden haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese spezielle Variante des Country – wegen ihrer Herkunft gelegentlich auch Mountain Music genannt – in Konzertsäle zu bringen. Zur 6. Auflage hatten sie die Blue Highway Band über den Teich geholt, ein vielfach ausgezeichnetes Quintett, dessen fulminanter Auftritt am Sonnabend im Staatstheater mehr Besucher verdient gehabt hätte als die etwa 330 – die sich dafür aber prächtig amüsierten.
Bluegrass nutzt neben der Gitarre Banjo, Mandoline und (an diesem Abend nur selten) Geige zum Rhythmus, verzichtet auf Schlagzeug, ist schneller als das klassische Country, ohne das Melodische zu verlieren. In Rob Ickes hatte die Blue Highway Band auch einen hoch dekorierten Dobro-Experten im Angebot, der diese vertikal gespielte Gitarrenart brillant beherrscht.
Blue Highway spielen vorwiegend eigenes Material; das reduziert die Wiedererkennungseffekte, stört aber angesichts des erstklassigen Materials weniger. Die Themen der Stücke sind ohnehin die klassischen: das Leben in den Bergen, das Reisen und (für amerikanische Songs unverzichtbar) die Eisenbahn – die ja in Oldenburg auch immer ein Thema ist.
Bisweilen gehen die gut gelaunten Jungs auf der Bühne dann doch mal fremd: Jason Burleson demonstriert in einer Hommage an den verstorbenen Earl Scruggs, dass er sich hinter der Banjo-Legende nicht verstecken muss. Der Folsom Prison Blues stimmt auch. Und dann kommt ein Stück, von dem viele vermutlich immer noch glauben, es stamme von Chris Howland (die Älteren werden ihn kennen). Stammt es aber nicht: „Fraulein“ (jawohl ohne ein ä) hatten schon Towns van Zandt, Hank Snow und Willie Nelson im Programm. Highway-Bassist Wayne Taylor singt die Schnulze über die Dame vom „old river rhine“ mit angemessener Inbrunst.
Die auf der Bühne sind an diesem Abend gut drauf, die im Saal gehen gut mit und trotzen der Band auch noch die fünfte und sechste Zugabe ab. Am Ende sind es zweieinhalb Stunden bester Unterhaltung. Und als Wayne Taylor eher beiläufig bemerkt, „we would like to come back“, kommt spontan Applaus auf.
Will sagen: Herzlich willkommen
