„Wir haben Musikgeschichte geschrieben“, stellte Yu Long nach Mitternacht glücklich fest, als nach 17 Stunden „Ring“-Premiere in China über vier Abende der letzte Vorhang für die „Götterdämmerung“ gefallen war.

Der Direktor des Nürnberger Staatstheaters, Axel Baisch, war erleichtert, dass am Ende alles geklappt hatte und die „Beijing Times“ von einem „großen Erfolg“ sprechen konnte. Vielleicht hätten sich manche chinesische Kritiker die klassische „Ring“-Version gewünscht, doch da Deutschland in China für Fortschritt steht, nahm das Publikum die moderne Inszenierung des britischen Regisseurs Stephen Lawless mit Begeisterung auf.

Die 99 Musiker unter Leitung von Maestro Philippe Auguin mussten jedoch im viel zu kleinen Orchestergraben des Poly Theaters in Peking ziemlich zusammenrücken. In der 40-minütigen Pause streckten sie draußen erstmal die Beine und liefen schnell zu MacDonalds um die Ecke, um sich für den langen Abend zu stärken.

Auguin dirigierte sein Spitzenorchester mit einer Leichtigkeit und Hingabe, als wenn er im Leben nichts lieber täte, selbst als der Schweiß schon lief. Es war der letzte Auftritt für die Nürnberger, da der Maestro zur Metropolitan Opera in New York wechselt.

Vielleicht war es dieser Abschied, die Begeisterung für Peking oder die Erleichterung am Schluss, die Musiker und Sänger im Wagnerschen Finale selbst nach viereinhalb Stunden noch zu neuen Höchstleistungen auflaufen ließen – besonders die stimmgewaltige Irene Theorin als Brünnhilde, die die Emotionen derart hochkochen ließ, dass sie sich am Ende in brandendem Applaus entladen mussten.