Cloppenburg - Ohne Übertreibung konnte die Darbietung des Deutschen Requiems für Soli, Chor und Orchester op. 45 von Johannes Brahms am Sonntag in der Cloppenburger St.-Andreas-Kirche als ein Höhepunkt in der Konzertsaison betrachtet werden. Der Kirchenchor hatte, durch Aushilfen ergänzt, sich ordentlich ins Zeug gelegt, so dass die intensive Probenarbeit Früchte trug.
Instrumental unterstützt wurden die Choristen durch Mitglieder des Staatsorchesters Oldenburg unter der Gesamtleitung von Kirchenmusiker Karsten Klinker. Er baute geschickt einen großen Spannungsbogen auf, indem er anfangs eher verhalten dann aber sich permanent steigernd die Wiedergabe formte.
Bereits zu Beginn fanden nach der Orchestereinleitung im ersten Teil – quasi einem Prolog – mit seinem durchweg meditativen Charakter Chor und Orchester zu einem überaus homogenen Klangbild, wobei sich stets das Orchester als Begleiter verstand und dennoch eigene Akzente zu setzen wusste. Das traf ebenso für die nachfolgenden sechs Teile zu. Im zweiten Teil, dem eine sinfonisch-dramatische Ausprägung innewohnt, wurde der letzte Abschnitt zur großen Apotheose auf das zukünftige Leben gesteigert.
Auch der Dialog zwischen Solo-Bariton, gesungen von Paul Brady, und dem Chor im dritten Teil entbehrte nicht einer gewissen Dramatik, die sich jedoch auf der verinnerlichten Ebene der Nachdenklichkeit abspielte. Das kam in der ausdrucksbetonten Wiedergabe besonders zur Geltung, wobei Brady deklamatorisch präzis interpretierte.
Der vierte Teil stellt sich wiederum als ein reines Chorstück mit Orchesterbegleitung dar. Mit der Wahl des 6/8-Taktes charakterisierte Brahms die Lieblichkeit der himmlischen Wohnungen. Da Karsten Klinker beim Dirigieren Achtel schlug, war das Tempo etwas gedrosselt, was der Wiedergabe sehr entgegenkam. Abermals musizierten Chor und Orchester überaus konzentriert, so dass der gesungene Text musikalisch seine Entsprechung fand.
Solo-Sopran, gesungen von Beate Stanko, und Chor standen sich im fünften Teil gegenüber. Stanko erfasste mit ihrer lyrischen Intonation einfühlsam den musikalischen Duktus, worauf der Chor kommentierend antwortete.
Nochmals korrespondierten Solo-Bariton und Chor im sechsten Teil miteinander. Ausdrucksstark, aber ohne übertriebenes Pathos gestaltete Brady seine Partie. Sehr schön wurden die Steigerungen herausgearbeitet, so dass die große Fuge am Schluss wiederum als Apotheose auf den Sieg über den Tod und den Lobgesang auf den Schöpfergott versinnbildlich wurde.
Als Epilog kann der siebte und letzte Teil des Deutschen Requiems von Brahms betrachtet werden, sozusagen als Pendant zum Anfang. Wiederum bestimmte eine meditative Grundstimmung das Geschehen, wovon sich Chor und Orchester in beeindruckender Weise leiten ließen. Sehr schön war das Ausschwingen der musikalischen Linie zum Schluss.
Dass nach dieser überaus ansprechenden musikalischen Darbietung der Beifall mit stehenden Ovationen nicht ausblieb, versteht sich von selbst. Das mag Ansporn sein, sich auch künftig mit dieser Form der „Verkündigung“ zu befassen.
