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NWZonline.de Nachrichten Kultur

PREMIERE: Musik wie vom roten Teppich

22.01.2007

Anja Metzger und Katerina Hebelkova bestechen in ihren Gesangsrollen. Auf der Bühne regieren die Möbelpacker.

Von Horst Hollmann

Oldenburg – Pssst, ihr Oldenburger! Ihr habt die Premiere der „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss stürmisch mit Beifall und Bravos gefeiert. Aber jetzt lasst die Kunde davon, dass man auch mit äußerlich kleinen Mitteln große Oper machen kann, nicht zu laut aus dem Großen Haus in politische Kreise dringen. Dort könnte der Eindruck entstehen, es gäbe auch bei den Staatstheatern noch Sparpotenzial.

Schon Richard Strauss hat sich eingeschränkt. Nur 37 Musiker setzt der gern im Vollrausch tönende Komponist im Orchester ein. Und passend verlangt Bruno Klimek in seiner Inszenierung den Werkstätten keinen Bombast ab. Möbel aus dem Fundus oder aus Leihgaben sind es, die meisten mit Plüsch, die im Vorspiel hin- und her transportiert und platziert werden. In der „Oper“, quasi dem zweiten Akt, bilden sie mit weißem Tuch drapiert oder auch unverhüllt die geforderte „wüste Insel“. Und der Faden der Ariadne – natürlich ein roter – führt dort erst auf Umwegen zurück ins Knäuel.

Die Möbelpacker locken den Besucher erst einmal auf die falsche Fährte. Da gibt es in der Villa des „reichsten Mannes von Wien“ einiges Verquastes. Zuerst soll ein Sängerensemble eine seriöse Oper aufführen, danach eine Schauspieltruppe ein Lustspiel. Weil das alles vor dem geplanten Feuerwerk nicht passt, verlangt der Geldgeber kurzerhand, beide Stücke gleichzeitig aufzuführen: Das organisatorische und emotionale Chaos ist perfekt.

Doch nach zweieinhalb Stunden sind viele Möbel gerückt, ist manchmal auch ein Gag totgeritten, aber es stehen immer noch die gleichen Sofas, Sessel, Schränke und Tische herum, nur vervielfältigt und anders verrümpelt. So hat sich am Ende alles im Kreis gedreht, gewinnt doch das Vertraute, singen Bacchus und Ariadne das Lied der Treue, also des Beharrens, woran die menschliche Würde geknüpft ist.

Dorthin führt Strauss die durchsichtige, gelegentlich auch aufbrausende Musik wie über einen roten Teppich. Generalmusikdirektor Alexander Rumpf durchleuchtet die Partitur nach vielen Seiten. Er kann sein im filigranen Spiel bestens geschultes Orchester einige selbstverliebte Längen der Musik aussingen lassen. Er kann aber auch die feine Ironie zuspitzen, und dann wirkt Strauss nicht wie antikes Edelporzellan, sondern hochmodern.

Anja Metzger zelebriert die Zerbinetten-Arie mit ihren blitzenden Koloraturen. Ebenso bravourös und noch inniger gestaltet Katerina Hebelkova die Rolle des durch alle Gefühlswelten gejagten Komponisten. Das andere prägende Duo hat es schwerer. Thorsten Scharnke als Bacchus setzt einen klaren und kräftigen, aber auch etwas eindimensionalen Tenor ein. Marcia Parks besticht als Ariadne, solange sie, aufgetakelt wie eine Fregatte, dem Untergang entgegen segelt. Wenn die großen Gefühle aufwallen, nahen inzwischen stimmlich leichte Grenzen. Insgesamt erfrischt die vielfältige Charakterisierung – auch der kleineren Partien.

Karten: 0441/22 25 111

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