Oldenburg - Wie kann man Kinder mit ihren Familien für klassische Musik begeistern? Und – wie in diesem Fall – für den 1810 geborenen Komponisten Robert Schumann?
Eine durchweg überzeugende Antwort gaben jetzt die beiden von Schumann selbst erfundenen Kunstfiguren Professor Florestan und Maestro Eusebius – gespielt von Generalintendant Christian Firmbach und Dirigent Thomas Honickel – im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters: Mit viel Spielwitz, Humor und richtig guter Musik, gespielt vom bestens aufgelegten Staatsorchester.
Gleich zu Beginn ertönt der 1. Satz der „Rheinischen Sinfonie“. Danach mischt sich der etwas extravagant gekleidete Professor ungefragt ins Geschehen. Er hat gerade eben hier in Oldenburg, im Keller des früheren Kapellmeisters Albert Dietrich, einen uralten Koffer mit Artefakten aus Schumanns Besitz gefunden. Florestan und Eusebius packen ihn Stück für Stück aus und erzählen dabei auf unvergleichlich launische Weise, was Schumann im Leben widerfuhr und welche Musik er schrieb.
Selbstredend erklingt dann die Musik am Klavier oder im Orchester. Von der beliebten „Träumerei“ aus den „Kinderszenen“ bis zum bekannten Volkslied „Wenn ich ein Vöglein wär“ aus der Oper „Genoveva“ erklingen elf wichtige, klangschöne Werke und Einzelsätze. Eingebettet sind sie in ebenso lustige wie nachdenklich stimmende Geschichten, die die beiden unterschiedlichen Charaktere gestisch, mimisch, stimmgewaltig und mit Slapstick-Einlagen gewürzt vortragen. Eusebius ist der Ruhige und Milde, Florestan der Drängende und Exaltierte.
Selbst Schumanns berüchtigte Apparatur, mit der er seine Finger fürs Klavierspiel geschmeidiger und kräftiger machen wollte und die ihm schließlich die Karriere als Pianist zerstörte, findet sich im Koffer und wird aufgebaut. Immer dann, wenn in der Ouvertüre zu „Hermann und Dorothea“ die „Marseillaise“ anklingt, hat das Publikum aufzustehen und zackig Haltung anzunehmen.
Bei „Wenn ich ein Vöglein wär“ singen alle mit. Und der von Theodor W. Adorno – er war nicht nur Philosoph, sondern auch Komponist – instrumentierte „Knecht Ruprecht“ erklingt ebenfalls unter Publikumsbeteiligung. Erst reiben sich alle Zuschauer vor Kälte die Hände und Arme, dann stapfen alle lautstark auf den Holzboden, und zum Schluss wird wüst beim unartigen Kind angeklopft.
Nach 80 intensiven und beglückenden Minuten gab es begeisterten, langanhaltenden Applaus.
