Oldenburg - Was würden Väter nicht alles für ihre Töchter tun? Und umgekehrt? Reicht es, sich lieb zu haben bis zum Mond und wieder zurück, so wie der Fernsehfritze Sven Lange und seine kluge Tochter Lisa? Oder muss man manchmal explodieren, damit ein neuer Stern entstehen kann? Dann wären wohl eher der narzisstische Stararchitekt Peter Stein und sein verwöhntes Früchtchen Anne das bessere Vater-Tochter-Gespann des Abends. Denn darum geht es in „Fly me to the moon“, der neuen, mit viel Beifall aufgenommenen Uraufführung im Theater hof/19: Wer die Show gewinnt, darf zum Mond fliegen!
Eine Stunde bevor das Fernsehduell beginnen soll, treffen sich die vier im Studio. Krater tun sich schnell auf. Die Männer liefern sich erheiternde Hahnenkämpfe, die Frauen amüsante Zickenkriege. Trotz manch verbaler Plattitüde wie die vom Unterschichtenfernsehen nimmt „Fly me to the moon“ den Zuschauer von Anfang an mit auf eine berührende Reise zu Vätern und ihren Töchtern, von denen sich die einen zu viel und die anderen möglicherweise zu wenig lieben.
Regisseur Martin Kreidt hat das Stück kurzweilig in Szene gesetzt, sodass die 80 Minuten wie im Flug vergehen. Gespielt wird unter einem lauschigen Sternenhimmel auf einem kreisrunden Vollmond-Teppich, auf dem ein Sofa zuweilen seine Kreise zieht.
„Fly me to the moon“ von und mit Marie-Luise Gunst, Isabelle Feldwisch, Jens Hasselmann und Dieter Hinrichs lebt von den wunderbaren Schauspielern. Alle vier sind Multitalente. Sie spielen, singen und musizieren auf Gitarren, Akkordeon, Geige und Trompete. Die eingebauten Lieder, von denen außer „Astronaut“ und „Major Tom“ alle neu komponiert wurden, bringen die Handlung voran. Da wird gerockt, „wäre der Mann im Mond doch nur eine Frau“ und geträumt vom Mond über Montevideo.
Eine Szene ist besonders schön: Da baumeln die beiden Töchter in ihren Weltraumanzügen unter der Sternendecke. Ihre Väter halten die Seile, an denen sie hängen, fest in den Händen. „Lass mich runter!“, fleht die eine. „Ich habe dich immer gehalten“, brüllt ihr Vater – und lässt sie langsam los.
Karten: Tel. 04 41/9 55 56 01
