Bardenfleth - „Ich betrachte die Musik nicht nur als eine Kunst, das Ohr zu ergötzen, sondern als eines der größten Mittel, das Herz zu bewegen und Empfindungen zu erregen!“ Dieser Ausspruch des Komponisten Christoph Willibald Gluck (1714-778) mag das Kammerorchester St. Anna Bardenfleth vielleicht inspiriert haben, seinem jüngsten Konzert den Titel „Herzschmerz“ zu geben.
In der Bardenflether St.-Anna-Kirche bewegten das Ensemble unter der Leitung von Torsten Johann (Cembalo) sowie die Sopranistin Mareke Freudenberg die Herzen ihrer Konzertbesucher mit den vertonten Schicksalen verzagter und verlassener Frauen, die ihre verlorene Liebe beklagen und ihren schnöde entschwundenen Liebsten nachweinen. Aber natürlich verstanden sich das Orchester und die Solistin auch auf die Kunst, die Ohren ihrer Konzertgäste meisterhaft zu „ergötzen“.
In Pietro Antonio Locatellis Trauersinfonie „Sinfonia funebre“ ist es nicht die Frau die trauert, vielmehr soll der Italiener, 1695 in Bergamo geboren, das Stück für die Begräbnisfeier seiner Frau komponiert haben. Allerdings ist nicht überliefert, ob Locatelli überhaupt verheiratet war. Auf jeden Fall ist es ein Werk von unendlicher Traurigkeit, komponiert in f-moll, im Barock die Tonart des Leidens und der Todessehnsucht.
Zwei liebende Frauen und ein Mann – das ging auch zu barocken Zeiten niemals gut. Dem Eifersuchtsdrama zwischen der Zauberin Alcina, dem in die Zauberin leidenschaftlich verliebten Ruggiero und dessen Verlobte Bradamante hat Georg Friedrich Händel in seiner Oper „Alcina“ ein musikalisches Denkmal gesetzt. Mit den beiden Arien der Alcina gelang es der Sopranistin Mareke Freudenberg, das Leiden der Zauberin greifbar zu machen – lange hat man in der St.-Anna-Kirche keine derart bezaubernde Stimme gehört.
Die „Stimme“ der weinenden, verlassenen Ariadne übernimmt in Locatellis Concerto Grosso „Il pianto d’ Arianna“ (Die Tränen der Ariadne) die Solo-Violine mit verblüffenden Effekten – ein Lamento fast wie ein menschliche Stimme. Und noch eine verschmähte Schöne und wiederum eine Zauberin hatte das Orchester im Repertoire: Händel vertonte in seiner Kantate „Armida abbandonata“ die Liebe zwischen der Sarazenin Armida und dem Kreuzritter Rinaldo – abermals eine Affäre ohne Happy-End. Für das Publikum wurden diese letzten Herzschmerz-Kantaten mit Mareke Freudenberg zum Happy-End ohnegleichen.
Begeisterter Applaus für die bezaubernde Solistin, für Torsten Johann und das St.-Anna-Ensemble – zur Freude der Konzertbesucher gab es noch eine orchestrale Zugabe.
