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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Musikfest Bremen: Immer langsam und eher diskret zu spielen

04.09.2017

Sande Dem Tod standen die Menschen im Mittelalter weniger distanziert gegenüber als die heutigen Menschen. Deshalb wunderte sich kaum jemand, als Johann Jakob Froberger 1660 eine „Méditation” komponierte, „gemacht für meinen nahenden Tod“. Ausführenden Cembalisten legte er ans Herz: „Man muss sie langsam und mit Diskretion spielen.“

Also spielt Skip Sempé auf dem friesländischen Schloss Gödens im Rahmen des Musikfestes Bremen die Reflexion langsam und mit Zurückhaltung. Doch das sind für den aus New Orleans stammenden Musiker nur die äußeren Vorgaben. Wie er die Todesgedanken mit Leben füllt, zeigt seinen Rang als einen der führenden Cembalisten. Wenn er den Geist der Musik wundervoll in die Schwebe bringt zwischen gelehrtem Kontrapunkt und einer Frische, als ob sie gerade ersonnen worden wäre, dann weist er Froberger als einen der fantasievollsten Bach-Vorgänger aus.

Und wenn Sempé die prächtigen Klangwirkungen eines Instruments des Oldenburger Cembalobauers Dietrich Hein voll ausreizt, dann wirkt die Musik über alle barocke Formstrenge hinaus prickelnd, knisternd und faszinierend bunt. Er sucht nach den Erzählungen hinter den Noten, nicht nur in der „Méditation”. Und in Bearbeitungen zu Johann Sebastian Bach von seinem großen Vorbild Gustav Leonhardt (6. Cello-Suite, 2. Violin-Partita) sind Musiker und Cembalo eins in der vollmundigen Übernahme des Streicherklangs auf das Tasteninstrument.

Da baut Sempè sein Spiel mit den gebrochenen Akkorden fast orchestral auf. Aber es kann auch leicht daherkommen, anmutig, schwerelos. Dann wieder bringt er die Läufe ins Rasen. Man kann nur darüber staunen, mit welcher Anschlagskunst sich Raffinesse und Farben auf einem Instrument erzielen lassen, dessen Saiten gezupft werden.

Von wegen übrigens „barocke Formstrenge”: In der Vielfalt der Werke von sechs Komponisten führt Sempé auch den Gegenbeweis. Juan Cabanilles etwa klinkt in sein „Tiento de falsas” unbarocke Dissonanzen ein, lässt auch mal den Rhythmus taumeln.

Ganz nah hatte sich der Tod dann doch noch nicht an den Komponisten herangeschlichen. Froberger hatte noch sieben Jahre vor sich. So konnte er programmatisch noch darüber lamentieren, dass er in London bestohlen worden ist.

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