London - Als verwegener Seeräuber-Onkel mit verfilzten Dreadlocks taucht er im neuen Kinofilm „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ auf. Keine typische Rolle für den früheren Anführer der „Fab Four“: Paul McCartney, Mitbegründer der Beatles, kämpfte lange gegen seinen Ruf als rehäugiges und zuverlässiges Gegengewicht zum unkonventionellen, kantigen John Lennon. Der Beatles-Producer George Martin urteilte einmal: „John war die Zitrone zu Pauls Olivenöl.“ Die Beatles brauchten beides. Am 18. Juni feiert der Musiker und Schöpfer legendärer Ohrwürmer seinen 75. Geburtstag.

McCartney wuchs in einer Arbeiterfamilie auf – die Mutter ernährte als Krankenschwester die Familie, der Vater war Baumwollhändler mit musikalischen Ambitionen. „Das sind die Liverpool-Wurzeln“, sagte er einmal. Diese Bodenständigkeit half ihm später, inmitten von Rockstar-Ruhm und Exzessen mit seiner Frau Linda die drei gemeinsamen Kinder aufzuziehen.

Mit 14 verlor McCartney seine Mutter. In einem Interview beschrieb er, wie sie ihm zehn Jahre später im Traum erschienen sei und gesagt habe: „Es wird alles gut werden. Immer mit der Ruhe. Just let it be – lass es einfach gut sein.“ Das inspiriert ihn zur letzten Single der Beatles – „Let It Be“ wird einer ihrer größten Erfolge. Auch den Song „When I’m Sixty-Four“ habe er lange mit sich herumgetragen, sagte er mal.

Im Juli 1957, vor fast genau 60 Jahren, traf McCartney John Lennon, der ihn einlud, bei seiner Schülerband „The Quarry Men“ einzusteigen. Es folgten die berühmten Auftritte in Hamburg und im Cavern Club in Liverpool, Pilzköpfe, smarte Outfits, hysterische Fans – und ein Hitparaden-Erfolg nach dem anderen. Doch natürlich geht nicht alles glatt – Lennon und McCartney sind Rivalen. Mitte der Sechziger hören sie auf zu touren. Als der Beatles-Manager Brian Epstein stirbt, fühlt sich McCartney verpflichtet, das Ruder zu übernehmen. Schließlich steigt er 1970 aus. Das ist das Ende der Beatles.

Inzwischen hat er die Liebe seines Lebens geheiratet, die New Yorker Fotografin Linda Eastman. Doch McCartney ringt mit Alkohol, Drogen und Depression. Er bleibt erfolgreich: Sein Titelsong für den Bondfilm „Live and Let Die“ wird für den Oscar nominiert.

1998 stirbt seine Ehefrau Linda an Krebs – er verwindet ihren Tod lange nicht. 2002 heiratet er das frühere Model Heather Mills. Doch Jahre später beginnen sie einen Rosenkrieg, der ihn 32 Millionen Euro kostet. Inzwischen ist er mit der ebenfalls schwerreichen Unternehmerin Nancy Shevell verheiratet.