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NWZonline.de Nachrichten Kultur

MUSIK: Nabucco wird doch immer so gespielt

23.07.2007

BAD ZWISCHENAHN Es ist so, wie es im vorigen Jahr in Oldenburg war. Auch vor zwei Jahren war es dort so. Und noch früher auch. Überhaupt: Verdis Oper „Nabucco“ wird eben immer so gespielt, seit flächendeckend passende Opern open air verhackstückt werden. 188mal steht das wegen des hymnischen Gefangenenchors „Hit ohne Oper“ gescholtene Werk in diesem Sommer zwischen Kiel-Laboe und Niederwörresbach auf Freiluft-Plänen. 188mal werden unförmige historische Kostüme und Utensilien auf die Bühne getragen und wird zu großen Gesten in den Armen gesungen. Also auch in Bad Zwischenahn.

Dort gastierte, eingerahmt vom Alten Kurhaus, dem See und einem fast konkurrierend farbigen Sonnenuntergang die Schlesische Staatsoper aus Beuthen (Bytom). Das polnische Haus nennt sich selbst „eins der besten Opernhäuser Mitteleuropas“, hat sich aber in Deutschland den Ruf großer Seriosität erworben.

Mit „Nabucco“ halten die Schlesier ebenso wie die anderen Reisebühnen das Risiko gering. Im ersten erfolgreichen Werk in Verdis Karriere sind die Charaktere noch einfach gestrickt. Erst später formt er das Grandiose subtiler und das Subtile raffinierter. Deshalb gibt es im Sommertheater keine Traviatas, Troubadoure oder Rigolettos.

In „Nabucco“ lodert Verdis Feuer schon. Da genügt es fast, im Orchester (Leitung Tadeusz Serafin) den elektrisierenden Schmiss des Italieners zu treffen und auf der Guckkastenbühne einfach schön zu singen.

Das gelingt dem prächtigen Chor und dem Ensemble oft. Pavel Kajzderski als Nabucco führt einen kultivierten Bariton ins Feld. Zaccharias, der Hohepriester (Tadeusz Lesnizak), singt mit deklamatorischer Wucht und dem richtigen Schuss Rauheit. Die intrigante Sklavin Abigaile (Barbara Krzekotowska) hingegen zeigt eine etwas unstete Tongebung. Manchmal beginnt leider das Vibrato der Sänger zu flackern.

Das Open-Air-Event hat der Oper unter den alten Dächern den Rang abgelaufen. Doppelt so viele 14- bis 50-Jährige wie zehn Jahre zuvor genießen lieber im Freien. Nur halb so viele wie damals erfreuen sich noch an der Tradition. Aber da im Erfolg ja die meisten Fehler gemacht werden, könnte sich auch diese schöne neue Erlebniswelt bald selbst entzaubern.

Man muss auch „Nabucco“nicht an eine manche verstörende moderne Deutung und Regie verraten. Aber der biblische Stoff um Nebukadnezar ist nach 3000 Jahren und unveränderten Hassausbrüchen im Nahen Osten bedrückend aktuell. Er lässt sich, ideenreicher aufbereitet, richtig mit Gänsehaut erzählen.

So aber sind die Programme und Inszenierungen einfältig, weil sie den Zuschauern nur genau das liefern, was sie sowieso erwarten. Ohne Weiterentwicklungen, ohne positive Überraschungen wird die Open-Air-Oper ihre Fans langweilen. Im Museum ist es spannender.

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