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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere: Nachbarn ohne jedes Schaamgeföhl

27.10.2015

Oldenburg Ein grauer Flur, vorne ein schlichtes Treppengeländer aus Metall mit plastikummanteltem Handlauf. Der Blick aus dem Fenster geht auf die Oldenburger Lambertikirche, immerhin von Sonne beschienen, das ist schon so ziemlich alles an Farbigem. Die Schürze der intriganten Frau Boldt ist grau, ebenso ihr Kleid, auch die Kleidung der Nachbarin. Wir sind wohl in den 60ern angekommen, wo Unverheiratete nicht in der gleichen Wohnung leben durften und selbst ein Untermietverhältnis problematisch sein konnte.

Miefiges Klima

Das ist der Rahmen der niederdeutschen Komödie „Sluderkraam in’t Treppenhuus“, mit der am Sonntagabend die August-Hinrichs-Bühne im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters Premiere feierte. Ein Repertoire-Stück, das vor allem von der Situationskomik lebt, die vorrangig von der intriganten wie klatschsüchtigen Frau Boldt vorangetrieben wird. Frau Boldt „entlarvt“ so manche moralische Entgleisung in dem Wohnhaus, wobei sie über ihre eigenen Schwächen großzügig hinwegschaut und für nicht erbrachte Putzleistungen kassiert.

Bunt wird es, als junge Leute das miefige Klima des Mietshauses aufmischen. Gleich zwei verbotene Untermieter ziehen zu dem brummeligen Mieter Brummer und der verkniffenen Mieterin Knoop ein, ein junger Mann und eine junge Frau. Mit roter Jacke und roten Boots bringt Untermieter Markus Tempo ins Leben seines Onkels, verliert keine Zeit mit Avancen für die schöne Untermieterin Silke, der auch der gnatterige Brummer und Hauswirt Tramsen schöne Augen machen. „Nich för een Cent Schaamgeföhl in’n Lief“, meckert Meta Boldt.

Ein Ball der Kaninchenzüchter, deren Präsident Brummer und stellvertretender Kassenwart Tramsen ist, bringt alle zusammen. Klatschbase Boldt scheitert grandios, zwei einsame Herzen finden zusammen wie auch die beiden jungen Leute.

Regisseur Marc Becker hat eine unterhaltsame wie kurzweilige Inszenierung des Bühnen-Klassikers von Jens Exler vorgelegt. Das grau-nüchterne Bühnenbild (Sandra Münchow) hilft dem Zuschauer, die Atmosphäre der Handlung zu deuten. Über den tieferen Sinn der Komödie darf man freilich nicht nachdenken, sie will schlicht unterhalten. Entsprechend verkörpert Rita Martens als Meta Boldt eine Karikatur der tratschsüchtigen Nachbarin. Ihre kurzen Auftritte, akrobatischen Grimassen und phonetischen Auswürfe sind das Salz in der Komödien-Suppe.

Junge Farbtupfer

Karikatur ist auch Alf Hauken als Fleischermeister und Hausbesitzer, dessen spärliches Haupthaar für manchen Lacher gut ist. Einen grantig-spießigen Finanzbeamten gibt Hajo Freitag, der für die Rolle mit einem nicht unbeträchtlichen Spitzbauch ausgestattet wurde. Marion Horst als Mieterin Hanne Knoop ist vor allem als Widerpart der Klatschbase Boldt angelegt, ihr komödiantisches Können kann sie vor allem im zweiten Teil beweisen.

Die undankbare Kurzrolle als Vater, von Meta Boldt grandios missverstanden als Kommissar, spielt Helmut Loewenstein. Bleiben die beiden jungen Farbtupfer Pascal Oetjegerdes als Markus und Neele Rowold als Silke: Oetjegerdes deutet mit unbändiger Spielfreude seine Eignung für Charakterrollen an, mit sublimer Bühnenpräsenz beweist Neele Rowold ihre großen schauspielerischen Fähigkeiten.

Auch wenn die Komödie klamottig daherkommt, „Sluderkraam“ wird sein Publikum finden, das Premierenpublikum war begeistert. Am Ende langanhaltender Beifall, zu recht für eine hervorragende schauspielerische Leistung.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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