Altmarienhausen - Die Domäne Altmarienhausen, das Küsteum mit den vielen Gegenständen, die an eine scheinbar längst vergangene Zeit erinnern, war genau der richtige Ort für diese Lesung. Wie sehr die Ereignisse vergangener Zeiten oftmals das Schicksal der nachfolgenden Generationen bis in die Gegenwart hinein beeinflussen, wurde hier deutlich. Gitta Franken aus der Gemeinde Südbrookmerland stellte in der Reihe „Sandes musikalischer Lesesommer“ ihre Erzählung „Swiegen is Bleei“ (Schweigen ist Blei) vor.

Mit dieser Lesung wurde die Reihe, die in diesem Jahr ihre Premiere erlebte, für diese Saison beendet. Sie wird wohl im kommenden Jahr fortgesetzt. Auch am Sonntag hatten die Organisatoren der Gemeinde Sande und die Männer der Arbeitsgemeinschaft „Altes Sande“ vorsorglich wegen der unsicheren Wetterlage die Scheune eingerichtet. Fast alle Plätze waren besetzt, als Albertus Ackermann, bekannt als „Singender Wattführer“ von Borkum, zum Akkordeon griff und plattdeutsche Lieder sang.

Weitaus nachdenklicher wurde es, als Gitta Franken mit ihrem Mann Udo Franken und Ute de Haan zunächst musikalisch als „Dreebladd“ auf die Lesung einstimmten. Die autobiografische Erzählung in plattdeutscher Sprache, für die Gitta Franken kürzlich den Johann-Friedrich-Dirks-Preis der Stadt Emden erhalten hat, greift die Geschichte ihrer Großmutter auf, die als Jüdin geboren wurde. Die Familie hatte immer über das Schicksal der Frau zur Zeit des Nationalsozialismus geschwiegen. Dabei erklärt erst die Aufarbeitung der Erlebnisse viele Verhaltensweisen in der Familie, die noch heute nachwirken. Eine Erzählung, die tief berührte und gerade jetzt, 75 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs genau richtig platziert war.