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NWZonline.de Nachrichten Kultur

PREMIERE: Nachtclub-Diktator mit speckigem Unterhemd

14.01.2008

WILHELMSHAVEN „Mit Hitler sind die Deutschen noch lange nicht fertig“, glaubt der angesehene britische Hitler-Biograf Sir Ian Kershaw. Erst vor einem Monat hob die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe das 1933 gefällte Todesurteil gegen den angeblichen Reichstags-Brandstifter Marinus van der Lubbe auf.

Der absurde Schauprozess gegen van der Lubbe wurde im Stadttheater Wilhelmshaven zu einer Schlüsselszene in „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“. In mehreren Anläufen ließ Regisseur Ulrich Hüni die Phalanx der Verteidigung zusammenschießen, verband Zeugen die Augen und ließ so die Waagschale zugunsten der Mächtigen ausschlagen, während das Opfer nach Wasser wimmerte. Die eindrucksvolle Szene wurde damit zum Ausdruck dessen, was viele Deutsche lange nicht wahrhaben wollten: Das so genannte „Dritte Reich“ war ein Unrechtsregime, das von Anfang an nicht auf Recht und Ordnung fußte, sondern allein auf kaum verbrämter Gewalt.

Hüni hat die von Bertolt Brecht ins Chicagoer Mafia-Milieu gespiegelte Geschichte der „Machtergreifung“ in einem angejahrten Nachtclub angesiedelt. Rosa Showtreppen, ein goldener Vorhang mit Seilzug und Wände mit rosa Schallschutzkunstleder (Ausstattung: Diana Pähler) bieten ein eindrucksvolles Umfeld für das groteske Spektakel. Tänzerinnen in Strapsen trugen zu Swingmusik erklärende Tafeln und Bilder der Protagonisten vorbei.

Abgesehen von zwei Musikeinlagen blieb das Konzept der Broadwayshow in Hünis Inszenierung aber leider in Anfängen stecken. Viele Auftritte wirkten hölzern aufgesagt, die Überleitungen langatmig. Es hätte wohl noch einiger Proben mehr bedurft, um insbesondere den Ansagern Christoph Angerer und Katrin Hilti den frivolen Ton der Luderhöhlen anzutrainieren.

Ein Trio bewährter Landesbühnen-Schauspieler brachte den Kern des Stoffs trotzdem nah ans Publikum heran. Als Gauner im speckigen Unterhemd setzte Johannes Simons als Arturo Ui (Hitler) dessen bellendes Schrei-Stakkato nicht als billigen Effekt ein, sondern als Blick in die gestörte Seele eines gefährlichen Freaks. Immer wieder sank er auf der Showtreppe nieder: „Ich bin jetzt 40 und habe immer noch nichts!“

Als korpulenter Lebemann Giri (Göring) im glänzenden Tuch bekam Holger Teßmann naturgemäß die zweitmeiste Aufmerksamkeit. Doch auch Stefan Ostertag überzeugte als weltfremder Dogsborough (General von Hindenburg), der sich voller Gier korrumpieren lässt und sich dann als greises Kind hinter seiner Modelleisenbahn versteckt.

Karten: 04421/9 40 10

Lesen Sie alle NWZ-Theaterkritiken: www.NWZonline.de/theater

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