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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Nachtmusik auf Wimmergeige

07.05.2011

OLDENBURG Die Wimmergeige quietscht erbärmlich. Mozarts „Kleine Nachtmusik“ ertönt auf nur einer Saite. Den Klangkörper hat Ingo Insterburg selbst gebaut. Wie so viele der skurrilen Requisiten, mit denen er die kleine Oldenburger Studentenbühne Unikum am Donnerstagabend vollstopft. Die Instrumente beherrscht er alle aus dem Effeff – viele davon bedient er auf einmal. Dazu klemmt er den Geigenstock in der Kniekehle ein. Mit den Füßen betätigt er irgendwie Gitarre und Schlagzeug und interpretiert Volkslieder.

Bandwurmwörter

Seit den 60er Jahren und der legendären Insterburg & Co-Zeit mit Karl Dall bedient der mittlerweile 77-Jährige den einfachen Humor gekonnt und originell. Mal sinniert er feingeistig, dann wieder blödelt er über alles und jeden, vor allem über sich selbst.

In geblümter „Frackjackenweste“ plaudert er munter vor sich hin, ehe er das Ungetüm ablegt und zum nächsten Instrument greift. Dem Waschmaschinenabflussschlauch-Saxofon – Insterburg könnte seine Bandwurmwörter ebenso patentieren lassen wie seine schrägen Erfindungen. Für den besseren Durchblick braucht er an diesem Abend gleich drei Brillen: Zwei Sehhilfen und eine Klobrillen-Harfe um den Hals, auf der er rumklimpert.

Mit weitaus weniger Klimbim kommt sein Partner aus. Der Liedermacher Lothar Lechleiter (68), auch genannt „Der Black“, sorgt im halbstündigen Wechsel mit Insterburg für das Kontrastprogramm. Die beiden gebürtigen Ostpreußen ergänzen sich gut.

Ruhig sitzt Lechleiter auf seinem Hocker, braucht nur die Gitarre – und eine Brille. Seine Texte sind mal politisch-satirisch, mal folkloristisch. Der Black trägt schwarz. „Aber das lässt keine Rückschlüsse auf meine Gesinnung zu“, stellt er klar. Ein bisschen 68er-Attitüde kommt bei ihm ebenso durch wie bei Insterburg, der irgendwie nicht älter zu werden scheint. Aus den „ersten 23 456 Tagen meines Lebens“ erzählt er so manche Anekdote.

Er klampft weiter

Dann behängt er sich von Kopf bis Fuß mit kleinen Kuhglocken. „Ich hab mal eine verschluckt“, berichtet er beiläufig. Fast jeder Gag trifft ins Schwarze. Bei so viel musikalischer Virtuosität könnte doch auch eine Teilnahme am Eurovision Song Contest Erfolg versprechen, überlegt er kurz. Doch es reift die Einsicht: „Ich bin ein Genie, zu gut für den Grand Prix“. Er klampft und reimt weiter.

Am Schluss kommt das, worauf alle gewartet haben: Der Insterburg-Klassiker über seine Liebesabenteuer von Berlin bis zum Mars im Sprechgesang: „Ich liebte ein Mädchen in Charlottenburg, die liebte Ingo Insterburg“. Seine Fans in Oldenburg mögen ihn ebenfalls – aber auch den Black.

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