Gartenlauben mit närrischer Vergangenheit gibt’s nicht so viele in Ganderkesee – eine aber steht bei Klaus-Dieter und Rosita Stubbemann hinterm Haus: Es handelt sich um eine alte Kutsche, die jahrzehntelang als Begleitfahrzeug des Prinzenwagens im Faschingsumzug mitrollte. Wo früher die Ex-Prinzessinnen saßen, hat nun das Ehepaar Stubbemann schon so manche vergnügliche Stunde verbracht, erzählten beide am Montag den Mitgliedern der DRK-Seniorengymnastikgruppe, die auf ihrer Kohltour für eine halbe Stunde im Stubbemann’schen Garten Station machten. Vor etwa fünf Jahren, erinnerte sich Klaus-Dieter Stubbemann, habe der TÜV der Kutsche die Weiterfahrt um den Ring verwehrt, danach stand sie ein paar Jahre nutzlos herum zwischen all den anderen GGV-Wagen – bis Stubbemann sie im vergangenen Jahr erwarb und in seinen Garten Im Knick stellte. Die Räder wurden abmontiert, Heizung, Beleuchtung, eine Musik- und eine Zapfanlage eingebaut, und

Rosita Stubbemann besorgte schließlich noch ein Kunststoff-Pferd in Originalgröße – fertig war einGartenpavillon der etwas anderen Art.

Nachdem sie sich bei den Stubbemanns informiert und mit heißem Tee ein bisschen aufgewärmt hatten, zogen die Rotkreuz-Gymnastikfrauen weiter zum Oldenburger Hof, wo der Kohl aufgetischt wurde. Hinterher kürte Gruppenleiterin Sigrid Hubmann Ilse Schwarting zur neuen Kohlkönigin. Die hatte nämlich zuvor besonders gut aufgepasst und konnte alle fünf Fragen zum Stubbemann-Garten korrekt beantworten. Dieses „Herrschaftswissen“ trug ihr prompt die Königinnen-Würde ein.

Der Ganderkeseer Fasching kennt keine Nachwuchssorgen, das bestätigen auch Ute Tober und Anke Fleischer, die als Trainerinnen der Roten Kindergarde ein kleines Jubiläum feiern: Seit 20 Jahren leiten sie die Tanzgruppe, in der unzählige Ganderkeseerinnen die ersten Schritte in ihre Faschingskarriere unternommen haben. Etliche Kinderprinzessinnen gingen aus der Roten Garde hervor, auch die derzeitige, Jule Petershagen. „Deshalb sind es diesmal auch nur 15 statt 16 Mädchen“, sagt Ute Tober. An ihren Start in der Session 1990/91 können sich die beiden Trainerinnen gut erinnern: Da fiel der Fasching nämlich aus, wegen des Golfkrieges. „Wir haben dann unseren eigenen kleinen Fasching gefeiert“, berichtet Anke Fleischer. Danach ging’s aber ohne Unterbrechung weiter, selbst durch die eigenen Schwangerschaften ließ sich das Garde-Duo nicht aus dem Takt bringen. „Inzwischen werden bei uns Kinder von Müttern angemeldet, die wir

noch als Tänzerinnen unter unseren Fittichen hatten“, freuen sich die beiden Trainerinnen. Und auch deren Kinder kamen nicht drumherum, im roten Rock über die Kinderfasching-Bühne zu wirbeln. „Wenn irgendwann unsere Enkel mitmachen wollen“, meine Ute Tober, „dann hören wir aber auf.“

Apropos Nach-

wuchs. Ein ganz junger Faschings-Fan macht derzeit seine ersten Gehversuche im Ganderkeseer Narrentreiben: Henry Adler, vierjähriger Bruder von Kinderprinz Tom I., lässt kaum einen Termin aus. Ob Pressekonferenz zum Kinderfasching oder Bühnenaufbau in der Festhalle – Henry mischt sich munter unters Narrenvolk und gern auch mal in den Fototermin. Früh übt sich eben, wer mal ein Kinderprinz werden will.

Schon recht erfahren in närrischen Dingen ist hingegen Johann Plaisier, immerhin hat der Bremervörder es im Laufe seiner Karriere bis zum Vizepräsidenten des Niedersächsischen Karnevalsverbandes gebracht. Beim Ganderkeseer Faschings-Auftakt am 11. 11. 2009 indes „fiel er aus allen Wolken“, erinnert sich Uwe Meyer, Präsident der Gemeinschaft Ganderkeseer Vereine. So eine Stimmung, und das sogar unter der Woche – das weckte bei dem Faschings-Funktionär Appetit auf mehr. Zum Büttenabend kommt er jetzt wieder nach Ganderkesee, kündigte Uwe Meyer an.

NWZ-Spezial: Informationen, Bilder, einer Webcam und Videos vom Fasching in Ganderkesee