Bergedorf - 1951 wurde zum ersten Mal der „Fasching um den Ring“ gefeiert. Drei Jahre später entschlossen sich fünf junge Bergedorfer um Klaus Schütte spontan zum Mitmachen: Sie nahmen einen kleinen Trecker, setzten sich einen Helm auf – und los ging es zum Umzug nach Ganderkesee. Das war vor 50 Jahren die Geburtsstunde der Bergedorfer Faschingsfreunde.

Nicht in jedem Jahr, aber immer wieder fanden sich seitdem Bergedorfer, die aktiv beim Umzug dabei sein wollten. Und der Name ist Programm: Jeder Bergedorfer darf Freunde mitbringen und so ziehen Jahr für Jahr rund 100 Bergedorfer Faschingsfreunde mit einem Festwagen um den Ring. Michael Orf und Andre Düßmann sind zurzeit die Teamleiter. Schon im Sommer juckt es sie in den Fingern: Der Festwagen 2015 soll etwas ganz Besonderes werden. „Einmal muss es ja mit dem ersten Platz klappen“, meint Michael Orf. Zuletzt war der Bergedorfer Wagen fast immer unter den Top 5, wobei in diesem Jahr mit Platz zwei die bisher beste Platzierung erreicht wurde.

Das Thema – 2014 war es „Day and Night“ – wird stets am 11.11. festgelegt. „Der Faschings-Auftakt bei Witte ist immer ausverkauft, daher machen wir unsere eigene Faschingseröffnung“, verrät Andre Düßmann. Zunächst wird an dem Abend die gewonnene Plakette im Dorfgemeinschaftsraum des Feuerwehrhauses feierlich aufgehängt, dann geht’s um den Umzug.

Gleich nach dem 11.11. starten die Vorbereitungen. Ein harter Kern trifft sich mindestens zweimal in der Woche und zaubert aus einem schlichten Anhänger einen bunten Festwagen. Für die Kostüme sind die Damen zuständig. Meistens zwischen Weihnachten und Neujahr werden die Kostüme zugeschnitten. Für das Nähen muss jeder selber sorgen.

Für den diesjährigen Festwagen wurden anfangs 15 000 Rosen eingeplant. Schnell merkte man, dass das nicht reicht. „Da haben wir uns ziemlich verschätzt“, gibt Michael Orf zu. Später zierten 29 000 Rosen den Wagen. „Es war schwer, noch Krepppapier in den entsprechenden Farben überhaupt zu bekommen“, so Düßmann. Die letzten Rosen wurden einen Tag vor dem Umzug angefertigt.

Natürlich läuft auch bei den Bergedorfern nicht immer alles nach Plan. Vor zwei Jahren fiel kurz vor der Abfahrt nach Ganderkesee das Stromaggregat aus. Technische Raffinessen wie die Nebelmaschine oder Musik liefen nicht mehr. In Windeseile musste die Verkleidung abgebaut und das Gerät repariert werden. „Stress pur, aber dann lief alles!“, berichtet Andre Düßmann. Oder 2013: Zum Thema „Der Wilde Westen“ gehörten Pistolen aus Plastik. „Vor dem Festzelt hat uns die Security alle Plastikpistolen abgenommen und in den Müllcontainer geworfen – warum auch immer“, erinnert sich Michael Orf. Von solchen Vorfällen jedoch lassen sich die Bergedorfer den Spaß am Fasching nicht verderben.