Oldenburg - An diesem Rosenmontag stürmt der Karnevalsverein Blau-Rot Oldenburg das Rathaus. Bürgermeisterin Germaid Eilers-Dörfler empfängt Prinz Hanfred Poppe I., dessen Holde Erika Kräge und ihr Gefolge um 11.11 Uhr im Sitzungssaal, ab 10.30 Uhr läuft der Minilindwurm ab Pferdemarkt-Brücke zum Markt. Unser Redakteur Marc Geschonke ist zu Ehren der Karnevalisten in die Anfänger-Bütt gestiegen:
Dank Täterä und Humba Weiß heut‘ die ganze Stadt: Die Blau- und Roten Jecken Sind immer noch nicht platt! Ein letztes Mal ganz laut „Helau!“, dazu ein Fisch – gern Kabeljau – , und dann ist Schluss mit allem Spass – mit Federn, Gold und buntem Strass! Dreißig Jahre sind’s nun schon – Hier die Freud‘ – und dort der Hohn. Wann immer sie durchs Städtchen zogen, Blümchen und auch Bonbons flogen, Trompeten jaulten, Trommeln knallten, die Jubelschreie laut verhallten, da lachten stets die and‘ren, kopfschüttelnden Passanten. Nun: Ollnborch ist halt nicht Kölle, nicht wie Münster oder Mainz – wo den Karneval sie lieben, wo die Narren sind ganz eins. Hier im Norden sagt man „Moin!“, nicht „Helau“ und nicht „Alaaf“, hier im Norden trinkt man Jever, hier im Norden ist man brav… …bis auf Hanfred - noch „dem ersten“! Der braucht jetzt ganz viel Applaus. Als unser Prinz von Herzen zaubert er gleich einen Strauß … …voller Witze, noch und nöcher, fliegen Pointen durch den Saal und aus dem Käse alle Löcher – ist‘s auch das letzte Mal!?
Denn Hanfred ist schon lang dabei, ein Jahrzehnt oder auch zwei, nur: Wer macht den Job in Bälde, will auch mal aufs Gemälde?
Die Kappe auf, am Hals die Orden –Zum Prinzen ist man nicht geboren! Es braucht Klimbim und ganz viel Glück, (geschwellte Brust kommt Stück für Stück)!Ob Hanfred noch mal weiter macht, sich über alles schlappi lacht, Schultern zuckt, wenn andre höhnen, und über die Ekstase stöhnen, das weiß nur er jetzt ganz allein. Man würde es gewiss verzeih`n.
Woher er seine Lust gewinnt, warum sich wie ein kleines Kind er freuen kann und zelebrieren, durchs Zentrum so marschieren, fast ganz allein auf weiter Flur so trotzig und gewiss auch stur, versteht kaum jemand hier im Land, da hat er einen schweren Stand.Die Meisterin der Bürger ist da schon anders drauf. Denn Germaid Eilers-Dörfler – Kennt seltsam ,Leut‘ zu Hauf. Und so kommt es, wie es kommen muss, wenn die Session ist nun am Schluss:
Um elf nach elf lässt sie es rein – das Corps mit den Fanfaren, das hochgeschmückte Paar. Den Rest kann sie sich sparen. Ist sonst ja keiner da...Der Schlüssel kommt zurück nach Haus, die Narren danken ab. Ihr Leben hier in Saus und Braus – es ist vorbei, die Kasse knapp!100 Tage und noch acht – so lang durften sie hier walten Im Rathaus (von Blau-Rot bewacht), – gut, Wort ham‘se gehalten: Nix is kaputter als zuvor, die Laune nicht viel besser. Verloren bleibt auch der Humor, die Nasen sind noch blässer…
Kommt der Wind oft auch von vorn, bläst hier noch so knüppelhart, sind aus - echtem Schrot und Korn – die Jecken hier am Start.
Am Aschermittwoch ist’s vorbei mit Masken, Spiel und Narretei. Ist dann die Kappe gut verstaut, der Alltag wieder schnell ergraut, merkt Oldenburg, was hier dann fehlt – dass „ Einmal wild sein!“ einfach zählt.
Am elften Elften geht es weiter, sind die Narr’n dann ehrlich heiter, machen Spaß in trüben Tagen dem Ärger sie ein Schnippchen schlagen.
Das ist dann aller Ehren wert, ein bisschen Narrheit nie verkehrt! Ums frei zu sagen, nach Loriot: Holleradideldidödeldo.
