Der Eremit
(Osmoderma eremita) ist ein bis 38 mm langer Käfer aus der Familie der Rosenkäfer.Er besiedelt alte hohle Bäume sowohl in lichten Wäldern als auch einzeln stehende Exemplare. Die erwachsenen Käfer leben mit den Larven gemeinsam in den Brutbäumen. Die Paarung findet im Juli und August im Bereich geeigneter Brutbäume statt. Die Entwicklung vom Ei bis zum Käfer dauert zwischen zwei und vier Jahren. Die Larven ernähren sich von Holzmulm, die adulten Tiere lecken den Saft blutender (Laub-)Bäume.
Die direkte Vernichtung
sehr alter Laubbaumbestände stellt eine große Gefahr dar. Auch die Aufgabe historischer Waldnutzungsformen (z.B. Hutewaldwirtschaft) sowie der Verlust alter Streuobstwiesen, alter Bäume in Waldrandlagen oder an Alleen z.B. im Rahmen von Verkehrssicherungsmaßnahmen führen zum Verschwinden geeigneter Lebensräume.Für den Schutz des Käfers ist es aufrgund der geringen Ausbreitungsfähigkeit wichtig, dass bei den aktuellen Vorkommen weitere geeignete Brutbäume nachwachsen, um die Vorkommen langfristig erhalten zu können.
Einem Ganderkeseer Paar waren gleich zwei der seltenen Tiere über den Weg gekrabbelt. Von einer Schwemme könne aber keine Rede sein, meint ein Experte.
Von Markus Minten
Hasbruch Seit 30 Jahren zieht es Jutta und Jörg Mengel immer wieder zu Spaziergängen in den Hasbruch. Und jetzt ist für die beiden Ganderkeseer ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen: Nachdem sie schon mal die eine oder andere Larve eines Eremiten im Totholz beobachtet hatten und auch – allerdings viel seltener – einen Käfer gesehen haben, sind dem Ganderkeseer Paar beim letzten Waldbesuch gleich zwei Exemplare buchstäblich über den Weg gekrabbelt. Beim Parkplatz an der alten Försterei gelang den Ganderkeseern der für sie einmalige Fund.
Keine Schwemme
Glück, aber keine Sensation, meint Axel Bellmann. Im Umfeld der alten Försterei gebe es bekannte Brutbäume der Art. Der Bremer Käfer-Experte kennt sich mit den streng geschützten Käfern aus, wie kaum ein anderer. Von einer Schwemme, wie sie bei den Marienkäfern jüngst durch die Medien gegangen sei, könne keine Rede sein. Tendenziell sei eher das Gegenteil zu befürchten. Vor allem, wo Eichen Buchen weichen (müssten), würden auch die Eremiten weniger. Im Hasbruch sei die Welt derzeit noch vergleichsweise in Ordnung.
Bellmann stützt die Vermutung der Mengels, dass der Regen am Wochenende die Käfer aus dem Verborgenen getrieben habe: „Es ist die passende Witterung“, so Bellmann. „Die Eremiten lieben schwül-warmes Wetter. Dann kommen sie raus und fliegen unter Umständen.“ Seien normaler Weise schon Anfang Juli adulte Eremiten im Hasbruch zu finden, habe das Wetter in diesem Jahr bisher noch nicht so mitgespielt. Auch er selbst habe erst am vergangenen Wochenende im Hasbruch die ersten Käfer gesehen.
Aus zwei Metern zu riechen
Derzeit könne man den schwarzen Käfern vor allem über den Geruch auf die Spur kommen. Die Männchen säßen jetzt vermehrt vor den Brutbäumen – von denen im Hasbruch knapp 70 bekannt seien – und verströmten ihre Pheromone. Den süßlichen Pfirsichduft, mit dem weibliche Käfer angelockt werden sollen, könne man rund zwei Meter weit riechen, so Bellmann.
Allen Spaziergängern, die ebenfalls das Glück haben, einen (oder mehrere) der kleinen Käfer zu entdecken, rät Bellmann: „Auf jeden Fall müssen die Tiere an der Stelle belassen werden.“ Es gelte: Fotografieren erlaubt, mitnehmen auf keinen Fall. Zum einen sind die Tiere streng geschützt, vor allem aber würden sie ein Umsiedeln kaum überleben.
