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Kulturetage In Oldenburg Nazareth rockt noch immer laut und hart

Klaus Fricke

Oldenburg - Sie mögen älter geworden sein, die Musiker von Nazareth, genauso wie ihre Fans. Doch der Hardrock der Schotten ist noch ebenso laut und druckvoll, gefühlig und sentimental wie einst im Jahre 1968, als die Band gegründet wurde. Vielleicht sind Nazareth momentan sogar besser denn je – das Konzert in der Kulturetage am Dienstagabend nährte diesen Verdacht.

300 Fans mit dabei

Dabei kündeten die Rahmenbedingungen nicht unbedingt von großen Taten. Knapp 300 Fans nur verliefen sich in der Halle der Kulturetage, die Vorgruppe (Luke Gasser aus der Schweiz) mühte sich eher mittelmäßig, und die Umbaupause danach zog sich arg lang.

Doch dann, als Bassist und Bandgründer Peter Agnew (70), Gitarrist Jimmy Murrison (52) sowie Schlagzeuger Lee Agnew (35) sich lautstark in die ersten Stücke warfen, die vom neuen Sänger Carl Sentance (55) in bester Hardrock-Manier herausgeschrien wurden, stieg die Stimmung. Taktisch klug schoben Nazareth mit den Songs „Razamanaz“, „This Flight Tonight“ und „Dream On“ früh einen ersten Hit-Dreier ins Programm, womit sie sich ihr Publikum endgültig zum Freund machten.

Temporeiche Rocksongs

Fortan war’s ein angenehmer Abend für die Leute auf und vor der Bühne. Doch Nazareth beschränkten sich nicht auf ein „Best of“-Potpourri. Natürlich gab es weitere Hits wie „Love Hurts“, „Morning Dew“ und „Broken Down Angel“, aber die Band ließ vor allem Jimmy Murrison viel Raum für technische Finessen. Was der Gitarrist nutzte: Lange Soli wie in „Beggar’s Day“ bewiesen, auf welch hohem künstlerischen Standard sich Nazareth bewegen. Lautstärke wird da nicht zum Selbstzweck, Falsettgesang nicht zur Karikatur. Nein, alles passt in ein Konzept, in dem temporeiche Rocksongs problemlos sentimentale Balladen ablösen.

Sentance am Mikro

Schön auch, dass Nazareth den Job am Mikrofon wieder adäquat besetzt haben. Carl Sentance spürt dem Geist des legendären Gründungsmitglieds Dan McCafferty (bis 2013) wunderbar nach und fügt eigene Erfahrungen hinzu, die er bei Projekten mit Don Airey (Deep Purple), der Schweizer Band Krokus oder mit Geezer Butler (Black Sabbath) sammelte.

In der Kulturetage überzeugte Sentance mit stoischem Durchsetzungsvermögen gegen die Ausflüge seiner Kollegen in Heavyrock-Gefilde.

Man konnte vorher durchaus skeptisch sein, was dieser Konzertabend bringen könnte. Nach 90 Minuten waren alle schlauer … und sehr zufrieden mit der Hardrock-Legende aus dem schottischen Dunfermline.

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