NEERSTEDT - Die Fachklinik Oldenburger Land der Diakonie wird in den nächsten Jahren ihren Standort an der Neerstedter Straße bei Neerstedt aufgeben. Das haben am Montag der Leiter, Chefarzt Dr. Wolfgang Schmidt, und der therapeutische Leiter und stellvertretende Klinikchef Walter Behrens anlässlich eines Besuchs der Dötlinger CDU-Fraktion mitgeteilt. Nur noch zwei bis maximal drei Jahre wird der Betrieb wie bisher im einstigen „To Hus“-Gebäude fortgesetzt. Rund 30 Mitarbeiter hat die Klinik derzeit noch.
Das Gebäude und rund 50 Hektar Land gehören der Diakonie seit 1912 (damals noch die Innere Mission). Die Fachklinik für alkohol- und medikamentenabhängige Menschen besteht seit 1976. Die Diakonie will vor Ort bleiben. „Wir bemühen uns sehr stark um eine Nachnutzung“, so Behrens, „es ist nicht beabsichtigt zu verkaufen.“ Auch künftig soll es in Neerstedt möglichst eine soziale Nutzung geben.
Der Grund für die Aufgabe der Fachklinik liegt an geänderten Ansprüchen seitens der Deutschen Rentenversicherungsanstalt Oldenburg-Bremen. Angesichts der neuen Vorgaben des Leistungsträgers sei Neerstedt mit 49 Betten nicht mehr zu halten, ebenso wenig die kleinere Abteilung mit 26 Betten an der Ofener Straße in Oldenburg, erläuterten Schmidt und Behrens. In zwei bis drei Jahren soll stattdessen eine zentrale Großklinik in der Stadt Oldenburg entstehen, in der dann auch die Therapie für drogenabhängige Menschen sowie ambulante Dienste angeboten werden sollen.
„Wir sind sehr traurigen Herzens, dass wir hier weg müssen“, sagte Behrens. Über Jahre habe man versucht, den Neerstedter Standort zu halten oder ihn sogar auszubauen und alles in Neerstedt zu konzentrieren, doch der Rentenversicherungsträger als der Träger der Rehabilitationen lehne den Standort als zu klein und abgelegen ab.
Gefordert seien vielmehr maximal 20 Minuten vom Oldenburger Stadtkern, gut erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Bushaltestelle vor der Neerstedter Tür genüge nicht. Zudem seien künftig Einzelbettzimmer gefragt, ebenso eine tagesklinische Behandlung und die Behandlung aller Suchterkrankungen unter einem Dach. „Art, Ort und Umfang der Behandlung bestimmt die Rentenversicherer“, betonte Dr. Wolfgang Schmidt.
Daher gebe die Diakonie Neerstedt und den jetzigen Standort in Oldenburg (der dem Oberkirchenrat gehört), auf. Auch „Parlos“, eine Gesellschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, die die Fachklinik „Moorkieker“ mit Standorten im Ammerland und in der Wesermarsch betreibe, müsse sich in einen Neubau mit 80 bis 100 stationären Einzelzimmern und 30 Tagesplätzen einfügen. „Wir müssen diese Vorgaben hinnehmen und einen entsprechenden Standort finden. Das ist schwierig“, so Schmidt.
Mit der Qualität der Arbeit hat der geplante Abzug von Neerstedt nichts zu tun, betonten Schmidt und Behrens. So hatte die Abteilung Neerstedt der Fachklinik erst 2009 bei einem bundesweiten Vergleich der Rentenversicherungen den vierten Platz unter bundesweit 210 Suchtkliniken belegt. Die künftige Großklinik in Oldenburg gelte als ökonomischer. Zudem sei es der Anspruch des Leistungsträgers, die Suchtkranken möglichst nicht auf dem Lande zu isolieren, sondern in der Stadt zu integrieren.
Die Suche nach einem geeigneten Ersatzstandort in der Stadt Oldenburg laufe derzeit, so Schmidt. Gespräche mit der Karl-Jaspers-Klinik hätten nicht zu der erhofften Lösung geführt. Schon jetzt gebe es einen Personalabbau, so durch die Nichtwiederbesetzung von Stellen, angesichts geringerer Belegungszahlen. Rund ein Drittel der Mitarbeiter kommt in Neerstedt aus dem engeren Umfeld.
