Freudentränen und großer Jubel von Freunden und Zuschauern ließ am Pfingstdienstag sogar das Hohe Gericht im Wildeshauser Krandel zeitweise in den Hintergrund rücken, denn so etwas hatte man dort noch nie erlebt: Der verhaftete Christian Przibylla (35) fiel vor seiner Freundin Annika Wollering (23) auf die Knie und hielt um ihre Hand an. Die Antwort: Natürlich ein „Ja“. Da konnte auch das Hohe Gericht nicht anders und gab dem jungen Paar 20 Prozent Rabatt auf die verhängte Strafe. Geahnt hatte die Braut in spe nicht das Geringste, umso größer war die Freude. Geheiratet werden soll dann im kommenden Jahr – eine Pfingsthochzeit ist bei den Wildeshausern übrigens nicht ausgeschlossen.

Warme Worte von General Dr. Kian Shahidi gab es am Dienstag auch für die Personen, die schon lange Jahre Mitglied in der Wildeshauser Schützengilde sind. Bereits 60 Jahre dabei sind Karl-Heinz Imhof und Ferdinand Iken, die beide eine Urkunde überreicht bekamen. Mit den 50-jährigen Jubilaren stellte sich der General der Gilde dann zu einem Gruppenfoto auf. Den 18 Jubilaren hatte Shahidi (wie berichtet) den goldenen Mitgliedsorden verliehen. Der neue Goldorden-Träger Heinrich Boning kommentierte doe Ordensvergabe eher trocken, mit den Worten „Wenn’s doch mal echtes Gold wäre.“

Überraschung für Oberleutnant Jochen Meyer am Mittwoch bei der Parade auf der Herrlichkeit: Seine Tante Anneliese Meyer, immerhin schon 86 Jahre alt, sah sich das Schauspiel auf der Herrlichkeit an. „Ich habe meinen Neffen noch nie in Uniform gesehen“, sagte die rüstige Seniorin, die inzwischen in Oldenburg lebt. Begleitet wurde sie an die Herrlichkeit von Meyers Mutter Gunda und seiner Tante Grete (77), eine geborene Apeler.

An dem internationalen Flair des Gildefestes hat besonders der General der Gilde, Bürgermeister Dr. Kian Shahidi, seine Freude. Das war ihm bereits deutlich anzumerken, als der General der neuen Majestät Erik Beyer, einem US-Amerikaner aus Jackson/Tennessee, den Mooskranz an den Zylinder steckte. Nach der Vorstellung und Verpflichtung des neuen Schafferpaares Gerald und Anja Kreienborg vor dem Rathaus begrüßte Shahidi den „new King“ mit den Worten „Isn’t it crazy?“ („Ist es nicht verrückt“). König Erik Beyer, der seine Jugendjahre bei seinen Urgroßeltern und seiner Großtante Gertrud Wittler auf dem Katenbäker Berg verbracht hat, entgegnete: „Ja, das ist ganz toll. Aber Sie können ruhig deutsch mit mir sprechen.“ Das Publikum johlte. Und der König weiter: „Ich liebe Wildeshausen. Hoch lebe die Schützengilde!“ Damit hatte der Herzchirurg viele Herzen für sich gewonnen.