Nordenham/Butjadingen/Stadland - „Das hat unsere Region stark beeinflusst. Daran sollten wir nicht einfach vorbeigehen“, sagt Hans-Rudolf Mengers, Vorsitzender des Rüstringer Heimatbundes. Die Rede ist vom vergeblichen Kampf der Friesen um ihre Freiheit im Jahre 1514. „Das ist das folgenreichste Ereignis in der neuzeitlichen Geschichte der nördlichen Wesermarsch.“
Am 21. Januar 1514 hatte an der Hartwarder Landwehr ein zahlenmäßig und waffentechnisch überlegenes Heer der Welfenherzöge und des Oldenburger Grafen – groben Schätzungen zufolge sollen es 8000 bis 12 000 Männer gewesen sein – die nur etwa 2000 Mann starke Streitmacht der Butjadinger und Stadlander Bauern geschlagen. Einige Tage später wurden die Friesen ein zweites Mals in der Langwarder Burmeide geschlagen.
Damit endete, so Hans-Rudolf Mengers, für die Friesen in der nördlichen Wesermarsch eine Jahrhunderte währende Epoche der selbstständigen Verwaltung ihrer „terrae“, der „Landsgemeinden“ Butjadingen und Stadland, gemeinhin auch als Friesische Freiheit bezeichnet.
„Aber dieses für die Menschen so schmerzliche Ereignis war zugleich der Beginn einer neuen Ära. Als Herrscher etablierten sich nun die Grafen von Oldenburg. Sie führten dieses Gebiet ihrer Grafschaft zu, für die es durch die ertragreichen Marschböden und umfangreichen Landgewinnungsmaßnahmen zu einem bedeutsamen Bestandteil wurde.“ Hans Rudolf Mengers fügt hinzu: „Allmählich fügten sich die Bewohner ihrem Schicksal. Sie wurden schließlich Oldenburger und erwarteten eine gerechte Behandlung durch die gräfliche Herrschaft.“
Die Grafschaft stieg zum Großherzogtum auf, wurde später Freistaat und 1946 in das neue Bundesland Niedersachsen eingegliedert.
Der Rüstringer Heimatbund will jetzt weniger an das tragische Geschehen des Jahres 1514, sondern mehr an den Neuanfang erinnern, der sich daraus ergeben hat.
Unter dem Motto „500 Jahre Rüstringen – Oldenburg – Niedersachsen“ hat eine Arbeitsgruppe ein Veranstaltungsprogramm erarbeitet. Die Stadt Nordenham und die Gemeinden Butjadingen und Stadland ziehen mit.
Der Rüstringer Heimatbund trägt einen Teil der Gesamtkosten von 25 000 Euro. Zuwendungen zugesagt haben die Oldenburgische Landschaft, die EWE-Stiftung und die LzO-Stiftung. „Wir hoffen auf weitere Zusagen“, so Hans-Rudolf Mengers.
Geplant sind unter anderem die Herausgabe eines Buches als Jahresgabe für die 1500 Mitglieder des Heimatbundes, Gedenkveranstaltungen im Januar nächsten Jahres am Friesendenkmal in Hartwarden und beim Gedenkstein in Langwarden, eine Ausstellung im Museum Nordenham und am 16. Mai nächsten Jahres eine Gedenkveranstaltung in der Stadthalle Friedeburg.
Das Buch wird einen Beitrag von Professor Dr. Gerd Steinwascher, Leiter des Staatsarchivs in Oldenburg, enthalten sowie historische Dokumente zeigen und kommentieren.
