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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Festival: Neue Beete im Flanier-Garten

15.06.2015

Oldenburg Wie Muffen aus Spritzguss beschaffen sein müssen, welche Sicherheitskriterien Paternoster-Aufzüge erfüllen müssen: Alles ist per Vorschrift geregelt. Doch wie muss ein Musikfestival ausgestaltet sein, wenn es erfolgreich sein soll? Da gibt es keine Norm. Aber den Spürsinn von Elena Nogaeva.

Die Pianistin und Konzertmanagerin leitet seit 19 Jahren die Oldenburger Promenade, jene Reihe von Wandelkonzerten vorwiegend in der Innenstadt. Wer die Premiere von 1997 mit der Version von 2015 vergleicht, entdeckt ein tragsicheres Grundgerüst – und radikal veränderte musikalische Inhalte. Aus dem einst elitären Kammermusik-Festival ist eine zwischen Klassik, Jazz, Weltmusik, niveauvoller Unterhaltung oder Schauspiel weit gedehnte Vielseitigkeit geworden.

Querbeet-Programme

Nie ist der Anteil der herkömmlich klassischen Musik geringer gewesen als diesmal. Geiger Tomasz Tomaszewski, Dauergast des Musikfestes, lässt mit seinen Kollegen von der Deutschen Oper Berlin im Schlosssaal Beethovens Serenade D-Dur op. 25, einen Triosatz von Schubert und Mozarts Quartett KV 285 in bezwingender Natürlichkeit ohne aufgesetzte Akzente erstehen. Der Berliner Konzertmeister ist Garant für Beständigkeit auf hohem Niveau.

Die Verbindungen zur Deutschen Oper locken auch ein Ensemble wie das Trio Neuklang in das Prinzenpalais. Arthur Hornig (Cello), Nikolay Abramson (Klarinette) und Jan Jachmann (Akkordeon) verwursten alles zum Tango, egal ob Rossini, Mozart oder Rachmaninow. Oder Wagner. „Seine Opern sind grandios, aber viel zu lang“, erläutert Hornig, stets mit dem Schalk im Nacken. Also komprimiert Neuklang vier Opern auf fünf Minuten, immer fein, nie gewalttätig. Die Besetzung besticht ebenso mit der Delikatesse von Kammermusik wie mit der Üppigkeit des vollen Orchesterklangs.

Nie war der Anteil findiger Querbeet-Programme und der Grenzüberschreitungen zu Jazz-Strukturen und Jazz-Sound so ausgeweitet wie diesmal. Das Daniel Schmahl Quartett „chattet” in der Lambertikirche modisch mit Bach. Die Vier nutzen Elemente aus Bachs B-Dur-Partita, spinnen die Musik gekonnt und eingängig weiter. Das ist handwerklich gediegen, doch fehlt musikalisch eine eigene Originalität. Losgelöster geben sich die Hamburger Sängerin Ulita Knaus und der schwedische Pianist Jacob Karlzon.

Wohliger Genuss

Knaus ist keine laute Sängerin. Gerade das vermittelt eine besondere Eindringlichkeit und melancholisches Flair. Karlzon lässt die Musik ruhig aufblühen, hält aber immer prickelnde Spannung, wenn er vom fest Notierten zum spontan Improvisierten zu driften scheint.

Die 19. Promenade verdankt ihren enormen Zuspruch einem Programm der breiten musikalischen Mitte. Das vermittelt Hörsicherheit und wohligen Genuss wie etwa beim Frauen-Vokalquartett „Les Brünettes“ oder bei der einnehmenden Sopranistin Eva Lind zwischen Mozart und Musical. Aber die Intendantin ist viel zu erfahren und innovativ, als dass sie sich damit auf der sicheren Seite fühlen würde. Ungefährlich ist Gefälligkeit nicht. Daher stößt Nogaeva auch gezielt an Ränder vor, wie eben mit Knaus/Karlzon.

Noch mehr als bisher wird die Promenade anregende Neuerungen benötigen um zu bestehen. Es gab auch Zeiten üppigerer Etats als heute. Doch Nogaeva hat gerade Einschränkungen innovativ kompensiert. So ist die Promenade nie behäbig geworden.

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