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200 Jahre Gemeinnütziger Rauchkate diente als Kulisse

Wolfgang Müller

Neuenburg - „Elisabeth von Ungnad“ ist den Theaterbesuchern unvergessen, „Ronja Räubertochter“ hat nicht nur die Jugend begeistert: Die Freilichtaufführungen des Niederdeutschen Theaters Neuenburg haben in der jüngeren Vergangenheit Tausende von Gästen nachhaltig beeindruckt. Seinen Ursprung genommen hat das Schauspiel unter freiem Himmel vor 50 Jahren. „Musik an’n fröhen Morgen“ war das heitere Stück überschrieben, über das „Der Gemeinnützige“ am 24. Juli 1968 berichtete: „Am Sonntag erlebte das Urwalddorf seine erste echte Freilichtaufführung der Niederdeutschen Bühne. Wenn auch die neu erbauten Tribünen nicht ganz besetzt waren, so sorgte doch die Bühne für ein einzigartiges Erlebnis“, schrieb Chronist Erich Janßen und würdigte auch Schloss und Rauchkatengelände als Spielort: „Der Seltenheitswert solcher Aufführungen wurde hier stark unterstrichen durch die andernorts nicht zu bietende Kulisse.“

„Begabte Darsteller“

Als der einstige Kuhjunge Magnus Ohmstede als hochangesehener Oberbaurat in sein Heimatdorf zurückkehrte, stellte er die Weichen zwischen „Hoch und Platt“, zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zwischen Missverständnis und dörflichen Kontakten, schilderte Janßen den Inhalt des Schwankes in vier Akten, „der den Geschmack einer Delikatesse hinterließ: Durch ihr Spiel zogen die begabten Darsteller die Zuschauer so in den Bann, als seien sie mitten hineingestellt in das dörfliche Geschehen. Frisch und natürlich lebten alle so in ihren Rollen, dass der Eindruck des Spiels von der lebhaften Szenenfolge verwischt und die Handlung in glücklich umgemünzte Realitäten empfunden wurde“.

Und auch die Kulisse fand uneingeschränktes Lob: „Kate, Sod und Bischüer, das Rauschen des Laubes, die leise zwitschernden Schwalben, die luftigen Kreise der Tauben und schließlich das alte Grafenschloss im Hintergrund besorgten eine Atmosphäre, die dem plattdeutschen Spiel sehr zugute kamen.“

Akteure, die damals genannt wurden, halten dem Niederdeutschen Theater noch heute die Treue und sind immer noch aktiv dabei: Karin Evers-Meyer, die damals den „Pangschonsgast Helga Diekhus“ spielte, später Bühnenleiterin wurde und sich als Bundestagsabgeordnete unter anderem auch für das Schloss einsetzte. Oder Erich Koch, der damals als „Detlef Meyer“ auftrat. Damals und über Jahrzehnte hinweg kümmerten sich Hermann Graf, Willy Egenhoff und Ewald Meine um Bühnenbild und Technik. Und unvergessen sind Akteure wie Carla Evers, Heinrich Höfers, Bernhardine und Marlis Ochsendorf oder Magda Theilen.

Prominente Besucher

Welche Bedeutung die erste Freilichtaufführung hatte, unterstrich auch die Prominenz unter den Besuchern: Unter den Gästen waren unter anderen auch Varels Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Wilhelm Kammann, Landrat Harms und Neuenburgs damaliger Bürgermeister Röbke.

Karin Evers-Meyer, damals noch Karin Evers, kann sich noch bestens an die Proben erinnern: „Das waren herrliche Sommerabende.“ Mit „Musik an fröhen Morgen“ war der Grundstein gelegt für spätere große Freilichtaufführungen, „die heute nur noch sehr schwer zu wuppen sind“, erklärt die frühere Bühnenleiterin gerade mit Blick auf ähnliche Großveranstaltungen in Westerstede und in Dangast.

Im Oktober geht’s los

Wenn es auch um Freilichttheater in Neuenburg heute ruhig geworden ist: Akteure des Niederdeutschen Theaters aus dem Urwalddorf sind in tragenden Rollen oder der Regie bei nahezu allen bedeutenden Freilichtaufführungen in der Region dabei.

Auf eigener Bühne im „Vereenshuus“ Neuenburg bereiten sich die Akteure auf vier Aufführungen vor: Der Spielplan für die kommende Theatersaison steht bereits. Benatzkys Operette „Im Weißen Rössl“ hat Premiere am 5. Oktober, am 11. Januar 2019 folgt „Fastföhrt“, ein „komischer Thriller“ von Mary Bakker-Schoon, und am 8. März hebt sich der Vorhang für „De Neurosen-Kavalier“, eine Psycho-Komödie „in vier Sitzungen“ von Gunther Beth und Alan Cooper.

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