NEUENBURG - Sie ist die „Frau für alle Fälle“ und „seelischer Mülleimer“ zugleich. Ihre vielfältigen Tätigkeiten machen sie zufrieden.
Von dagmar de Levie
NEUENBURG - Wenn Hildegard Kriebitzsch auf ihr ehrenamtliches Engagement angesprochen wird, muss sie erst zu ihren handschriftlichen Aufzeichnungen greifen, um bei der Vielzahl ihrer Aufgaben auch ja nichts zu vergessen. Offiziell ist die ausgebildete Volljuristin, Hausfrau und Mutter von vier Kindern Öffentlichkeitsbeauftragte der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Neuenburg, aber sie wäre nicht Hildegard Kriebitzsch, wenn das schon alles wäre.1981 war sie mit ihrer Familie nach Neuenburg gezogen, Ehemann Berndt hatte sich auf die Stelle des dortigen Forstamtsleiters beworben, die er übrigens bis vor wenigen Monaten ausfüllte. „Ich habe damals den Kontakt zur Kirche gesucht und festgestellt, dass es keine Kindergruppe gab“, erzählt Hildegard Kriebitzsch. Also initiierte sie eine solche, übernahm außerdem den Vorsitz im Elternbeirat des Schloss-Kindergartens, war anschließend Vorsitzende im Elternrat der Grundschule und rief das Mutter-Kind-Turnen ins Leben.
Seit 1988 gehört sie dem Gemeindekirchenrat an, drei Jahre lang engagierte sie sich in einer Planungsgruppe, die sich mit der Erweiterung des Gemeindehauses befasste, ihr obliegt die Redaktion des Gemeindebriefes, sie baute den örtlichen Besuchsdienst mit auf, in dem sie nach wie vor aktiv ist, und manchmal, so sagt sie, „bin ich auch diejenige, die Pastor Scheuer entlastet“. Sie organisiert eben gern, das ist eine ihrer Stärken. Aus ihrer Arbeit mit Kindern entwickelte sich im Laufe der Zeit die Frauenarbeit. Drei- bis viermal im Jahr lädt sie – in Kooperation mit der politischen Gemeinde – zum Frauenfrühstück ein, viermal im Jahr bietet sie gemeinsam mit Britta Hansen-Maschke Kinderprojekttage, „bei denen wir auf verschiedenen Ebenen an Themen herangehen“.
Hildegard Kriebitzsch ist Synodale in der Kreissynode des Kirchenkreises Varel, wurde in den Vorstand des Diakonischen Werkes Friesland gewählt, ließ sich zwei Jahre lang zur Gemeindeberaterin ausbilden und hilft Gemeinden seither, Lösungsansätze zu finden, wenn es Probleme gibt.
Der Oberkirchenrat berief sie außerdem in den Beirat der Gleichstellungsbeauftragten der oldenburgischen Kirche, in der kirchlichen Arbeitsgemeinschaft „Frauenarbeit“ vertritt sie die Frauen an der Basis. Wegen der Kirche machte sie ihren Führerschein, den sie eigentlich nie machen wollte. „Aber ich wollte meinen Mann nicht immer damit belasten, mich zu fahren“, sagt sie – auch wenn er sie in ihrem Engagement ebenso wie auch die Kinder immer verständnisvoll unterstützt habe.
Hildegard Kriebitzsch ist innerhalb ihrer Kirchengemeinde auch „seelischer Mülleimer“ – „Das war ich immer schon“ – und ihrer Ansicht nach ist das auch in Ordnung so: „Es ist ganz wichtig, dass man miteinander spricht, dass man zuhört, das ist das, was wir auch versuchen, in der Gemeinde zu leben“. Ihre vielfältigen Tätigkeiten sieht sie nicht nur als Arbeit für andere, sondern auch als Arbeit für sich selbst. „Ich habe dadurch meine Bestätigung gefunden, das hat mich zufrieden gemacht“, sagt sie.
Dennoch, wenn ihr Mann in den Ruhestand geht, möchte sie ihr Engagement „abspecken, damit wir auch mal ganz spontan etwas unternehmen können“. Allerdings, so ganz mag man ihr das noch nicht glauben, denn kaum hat sie den Satz ausgesprochen, sprudelt Hildegard Kriebitzsch auch schon wieder über vor Ideen, wie das Leben in der Kirchengemeinde Neuenburg noch vielfältiger gestaltet werden kann. Schließlich ist sie nicht ohne Grund die „Frau für alle Fälle“.
