NEUENBURG - Ein Musikwettstreit ist gar keine Erfindung des Fernsehens, sondern war schon zu Zeiten der Neandertaler Brauch. So sieht es jedenfalls der Kabarettist und Schauspieler Kristian Bader, der mit seinem Programm „Cave-Music“ (Höhlenmusik) und seinen Mitstreitern Georg Feige (Keyboards) und Matthias Pantel (Rhythmus) zum Kleinkunstabend des SPD-Ortsvereins Zetel gekommen war. Überhaupt sieht Bader viele Verbindungen von der Steinzeit zum Musik-Geschäft der Gegenwart. „Howard Carpendale hat den ersten Song der Musikgeschichte geschrieben“, so Bader. Carpendale sei halt bei jeder Eiszeit tiefgefroren worden. Auch der im Privatfernsehen präsente Dieter Bohlen bekam sein Fett weg: „Ab Körbchengröße D ist jeder Song o.k.“, reimte Bader.

Musikgeschichte a la Bader geht so: Bei Mondschein und Nebel ruft der Neandertaler „Hallo“, trifft Mit-Neandertaler, entdeckt bei einer spielerischen Schlägerei mit der Keule den Rhythmus, die Saiteninstrumente und auch gleich die Mehrstimmigkeit, das Becken des Schlagzeugs war laut Bader eine Art „Klangchampignon der Bronzezeit“. Die Klaviatur entspricht den Zähnen eines Säbelzahntigers („die Hälfte der Zähne ist schon schlecht“). Und Sänger a la Heino hätten als „Schamanen, der Heere vertreiben kann“, Kriege verhindert.

„Das schlimmste aller Musikinstrumente“ ist laut Bader die Panflöte – eine Rache der Inkas an den Konquistadoren. „In Panflöte steckt ja das Wort Panik. Panflöte gleich Stalinorgel“, legte Bader manchmal einen derben Spott auf, manchmal die hohe Kunst, etwa bei Reich-Ranicki, dessen Buchtipp („ein wunderbares Buch, sie müssen es unbedingt lesen“) das alte Testament betraf. Doch das war nur die Einleitung zum Kapitel musikalische Kriegsführung. Spott bekam auch der Papst, bei dessen Ablassbriefen (kleiner Zeitsprung ins Mittelalter) das Publikum im Sprechgesang mittun durfte: „Drum sollt ihr füllen unsere Kasse – klasse.“ Der Klingelbeutel als eine Art frühe Gema, eine derbe Hitler-Parodie aufs Deutschsein und das Volkslied sowie die sogenannte Volksmusik, etwa im Musikantenstadel: „Seit 20.15 Uhr wird zurückgesungen“, schnarrte Bader im Hitler-Duktus.

Dramaturgisch endete das Programm wieder in der Steinzeit, just nachdem es noch gerade über „Deutschsucht den Superstar“ und Hiphop ging. Begeisterter Applaus des Publikums für die furiose Musikgeschichte.

Einen Dank gab es für den Organisator Heinrich Meyer, der schon 25 solcher Kleinkunstabende in Neuenburg organisiert hatte, unter andrem mit Top-Künstlern wie Kristian Bader, Volker Pispers (viermal) oder Robert Kreis.