NEUENBURG - Einen fulminanten Auftritt des Gypsy-Swing-Ensembles um Gitarrist Joscho Stephan hat am Sonnabend das Neuenburger Publikum erlebt. Noch vor Ende des ersten Stückes gab es Zwischenapplaus. Den Zuhörern im ausverkauften „Vereenshuus“ verschlug das vorgelegte Tempo und die Virtuosität des Gitarristen fast den Atem. Dabei wechselten sich die Gitarrensoli mit dem nicht weniger beeindruckenden Geigenspiel von Sebastian Reimann ab. Zahlreiche Swing-Klassiker, überwiegend Django-Reinhardt-Stücke, erklangen im Wechsel mit Eigenkompositionen. Das Quartett wagte sich aber auch an andere Werke wie „Der dritte Mann“ oder „Bolero“. Letzterer war jedoch durch die Swing-Interpretation kaum noch als die Komposition von Maurice Ravel zu erkennen. Leichter zu erkennen, aber ebenfalls rasant vorgetragen, war das „Rondo alla Turka“ von Wolfgang Amadeus Mozart.

Die Gitarre, auf der Stephan spielte, ist eine sogenannte Django-Reinhardt-Gitarre, eine akustische Gitarre, die aber mit Stahlsaiten und Plektron gespielt wird. Der Korpus ist wie bei der E-Gitarre asymmetrisch ausgeschnitten und das Griffbrett bis in die Mitte des Schallloches verlängert, damit man auch noch jenseits der 12. Lage gut spielen kann. Joscho Stephan machte von dieser Möglichkeit eindrucksvoll Gebrauch.

Neben Gitarrist Stephan und Geiger Reimann besteht das Quartett aus Max Schaaf am Bass und Günter Stephan, dem Vater von Joscho, an der Rhythmusgitarre. Damit entspricht die Besetzung der Band weitgehend dem „Quintett de Hot Club de France“, das 1934 von Django Reinhardt gegründet wurde. Die Formation besteht nur aus Saiteninstrumenten, die Funktion des Schlagzeugs übernimmt die Rhythmusgitarre. „Der Rhythmusgitarrist hat den härtesten Job“, betonte Joscho Stephan. „Er liefert das musikalische Fundament und bekommt nur selten einen Extra-Applaus.“

Verfolgt wurde das Konzert im großen Saal des „Vereenshuus“ auch von den fünf Musikerinnen von „Gittarissima“, von Organisator Holger Harms-Bartholdy und den Teilnehmern der Gitarrenkurse. Am Sonntag gaben auch diese ein Konzert im „Vereenshuus“, mit dem eine hochkarätige musikalische Woche zu Ende ging. Die Neuenburger Gitarrentage sollen im kommenden Jahr in gleicher Form wieder in Neuenburg über die Bühne gehen.