NEUENBURG - NEUENBURG - Wenn ein Mann vorgibt, verheiratet zu sein, können sich daraus Komplikationen ergeben. So ergeht es dem Zahnarzt Julius Deterding, der Beziehungen zu Frauen sucht, aber stets eine (nicht vorhandene) Frau und drei (nicht vorhandene) Kinder vorschützt, wenn eine der Frauen Ernsthafteres von dem Zahnarzt will. Zu Anna entwickelt Deterding indes stärkere Gefühle, so dass er erst seine Scheidung erfinden muss, weil er sich auch bei Anna als verheirateter Mann mit Kindern ausgegeben hat.

Ausgerechnet seine „Hölpersch“ Stephanie, die in den Zahnarzt heimlich verschossen ist, soll ihm bei der Ehe-Inszenierung helfen. Schließlich willigt sie ein, doch ergibt sich aus einer Lüge die nächste, und die „Inszenierung“ seiner Beziehung und Trennung wird immer komplizierter.

Regisseur Armin Tacke hat mit „De Kaktusblööt“ eine flott inszenierte Komödie mit Pfiff abgeliefert, in der der „Ball“ der Handlung abwechslungsreich vorangetrieben wird, und die vom Premierenpublikum am Freitagabend zu Recht tüchtig beklatscht wurde – unterstützt von einem äußerst phantasievollen Bühnenbild (Ewald Meine), in dem die Wände der angedeuteten Zimmer auf zwei drehbaren Kulissen einfach umgeklappt werden. So wird aus dem Schlafzimmer von Anna rasch der Empfang der Zahnarztpraxis, dann der Behandlungsraum, eine Nachtbar, ein CD-Laden und wieder die Zahnarztpraxis.

Insgesamt 15 Bilder, davon acht bis zur Pause, haben Tacke und Meine solchermaßen inszeniert. Die Spieler beweisen wieder bewährte Neuenburger Qualität: Julian Richter als drömeliger Ino und Liebhaber mit Avancen zeigt sogar einmal den nackten Hintern (dafür Szenenapplaus), Dana Zimmer als Anna ist eine lebendig agierende und Augen-rollende Frauensperson, Hanna Fischer-Smit als Fro Dürchen-Benesch spielt die wohlhabende Patientin, Alf Hauken als Zahnarzt-Freund Norbert Obermüller einen richtig schmierigen Kumpel, Peter Egenhoff den verträumt-schüchternen Patienten Koschnieder, und Insa Fröhlich – mit herrlich schief „gerichteten“ Zähnen und leicht vampmäßig – die verflossene Liebe von Kumpel Norbert. Bleibt der Hauptprotagonist Dieter Trey, dem man den plattschnackenden Zahnarzt als auch seine amourösen Ambitionen und die herrlichen Verstrickungen seines Lügengemenges gut abnehmen kann. Und schließlich ist da noch Helma Lübben, die die „Kaktusblüte“ Stephanie Wienhold so ganz

vorzüglich zu spielen weiß. Als Zahnarzthelferin führt sie resolut wie blaustrümpfig Regie in der Praxis, vermag ihre Gefühle für den Zahnarzt aber gut zu deckeln und „erblüht“ nach Opern- und Barbesuch, in dem sie mal richtig ins Leben hineintunkt. Alle Akteure stehen im wahrsten Sinne der Beschreibung mächtig unter Dampf: Fünf Zigaretten werden im Laufe des Abends auf der Bühne geraucht. Wenn man etwas bemängeln kann, dann die Aufführungsdauer von mehr als drei Stunden. Zwei oder drei Bilder weniger hätten es auch getan. Armin Tacke mag es aber – siehe „Deicher“ – recht ausführlich.