Neuenburg - Über Kunst lässt sich ja bekanntlich streiten, und dazu gab es am Wochenende jede Menge Gelegenheit. In Neuenburg öffneten viele Künstler ihre Werkstätten, der Kunstverein „Bahner“ hatte zu den Tagen der offenen Ateliers eingeladen. Ob mit Meißeln behauene Steine oder mittels Pinsel auf Stoffe aufgetragene Farben oder aus einer weichen Masse geformte Schalen und Tassen, diese und viele weitere Dinge, die aus den kreativen Ideen und verschiedenen Materialien in Handarbeit entstanden sind, gab es zu sehen.
Bei manchen Dingen erschloss sich Sinn und Zweck des Objekts sogleich dem Betrachter, andere benötigten Erklärungen durch die Künstler. So gab es nette Begegnungen und Gespräche, die beiderseits für nachhaltige Eindrücke sorgten. Neben den vielen Interessierten, die sich selbst auf den Weg zu den Werkstätten machten, wurden auch wieder die geführten Radtouren gut angenommen. Ingo Reichenbecher und Wolfgang Andrée begaben sich vor allem mit auswärtigen Kunstinteressierten auf den Rundweg zu den Ateliers. „Ich bin mit dem Rad huckepack per Auto hergekommen“, sagte Tourteilnehmer Alfred Stalling aus Wiefelstede und meinte: „In der Gruppe ist das bestimmt interessanter.“
Eine der Künstlerinnen, der man am Wochenende bei der Arbeit über die Schulter schauen konnte, war die Malerin Doris Hauptmann. Da sich ihr Atelier in Zetel befindet, hatte sie fast 50 Werke in der Wohngalerie Streithorst ausgestellt. Doris Hauptmann wollte eigentlich schon immer Malen, deshalb machte sie eine Ausbildung im Maler- und Lackiererhandwerk. Das war schon mal eine Einstieg“, erzählte sie. Eines Tages beobachtete sie Bühnenmaler im Oldenburger Theater. „Die malten einen Teppich auf den Boden, der sehr echt aussah“, staunte sie und überlegte: „Das wäre doch etwas für mich.“
Als Malergesellin machte sie noch ihr Fachabitur und dann packte sie ihre Koffer: 1985 flog Doris Hauptmann nach New York, um dort als Au Pair zu arbeiten. Sie belegte nebenbei Abendkurse in Malerei und Fotografie, besuchte die Fachschule für Film- und Fernsehproduktion in New York und schloss die Ausbildung dort mit einem Diplom ab. 1991 kehrte sie nach Zetel zurück und verdiente ihr Geld als Dokumentarfilmerin, bis sie 2003 heiratete.
Seit 2006 ist sie freischaffende Künstlerin und verkauft ihre Arbeiten nicht nur bei Ausstellungen und Veranstaltungen, sondern auch an Kunstinteressierte, die direkt auf sie zukommen. Außerdem macht sie Auftragsarbeiten, vom Haustier über Familienporträts bis zur stimmungsvollen Landschaft. Die Künstlerin fertigt Porträts, Stillleben und Landschaften, hauptsächlich in Öl und auf Leinwand und in unterschiedlichen Zeichentechniken, wie Bleistift-, Kreide- und Tuschezeichnungen. „Mich fasziniert das Zusammenspiel von Licht und Farbe, die feine Farbigkeit in allem, die ich mittels einer mehrschichtigen Lasurtechnik zu erfassen versuche.“
Da diese einzelnen Farbschichten gut trocknen müssen um nicht brüchig zu werden, bearbeitet sie oft mehrere Werke gleichzeitig. Manch eine Entstehungsgeschichte der Kunstwerke hat sie fotografisch festgehalten. Dies bot den Besuchern in Neuenburg Einblicke in die teils wochenlange Arbeit an einem Bild.
