Neuenfelde - Als die Kinder in Neuenfelde vor den Trümmern ihres Spielhauses standen, flossen die Tränen in Strömen: Ein Feuer hatte das Gebäude in der Nacht zu Freitag zerstört. Mit Entsetzen betrachteten auch die Erwachsenen am Freitag den Schaden – nicht zuletzt, weil am und im Bürgerhaus nebenan am Samstag die große Freiluftfete starten sollte.

Am Freitagvormittag gab die Polizei den Platz frei und die Entscheidung stand: die Party sollte stattfinden. Also packten die Neuenfelder gemeinsam an. „Den Schreck des Feuers noch in den Knochen, machten sich die Helfer daran, die heruntergefallenen Dachpfannen zu beseitigen und die Hütte abzusperren“, erzählt Melanie Gloystein, dritte Vorsitzende des Vereins. Parallel krempelten andere die Ärmel hoch und übernahmen die Aufbauarbeiten für die Fete und schmückten den Festplatz. „Wir haben uns dabei vor allem sehr über neue junge Helfer gefreut“, berichtet Melanie Gloystein, wie das Dorf nach dem Feuer sofort zusammengerückt ist.

Den ganzen Samstag über liefen die Vorbereitungen weiter, während andere Familien die Einschulungen ihrer Kinder feierten. Bis zum Abend gelang die Punktlandung: Rund 1200 Gäste feierten bei trockenem Wetter. In der Oldie-Ecke liefen Schlager und Stimmungslieder, im Discozelt war es bei den Partykrachern lauter und heißer. Die geschmückte Cocktailbar war gut frequentiert, im Festzelt packten Freunde des Vereins aus Fünfhausen mit an und unterstützten beim Bedienen. „Da sitzt jeder Handgriff, auch wenn es zeitweise auch sehr anstrengend war“, lässt die dritte Vorsitzende den Abend Revue passieren: „Für die Hilfe gibt es nochmals ein großes Dankeschön. Es ist nicht selbstverständlich, etwas ehrenamtlich zu tun.“

Und eine Idee kam an dem Partyabend besonders gut an: die aufgestellten Spendenbüchsen für eine neue Jugendhütte. Die Idee dafür war aus den Reihen der Dorfjugend gekommen. Denn die wollen natürlich ihr tolles kleines Haus mit den Sprossenfenstern wieder aufbauen, um auch in Zukunft einen Platz zum Spielen und Treffen zu haben.

Als jetzt der Kassensturz aus den Spendendosen gemacht wurde und dabei 720 Euro gezählt werden konnten, waren die schlimmsten Tränen getrocknet, aber nicht vergessen. Die Erwachsenen konnten sich zum Thema Jugendhütte im Feten-Stress noch keinen Plan zurechtlegen. Das soll aber am kommenden Samstag, 12. August, nachgeholt werden. Dann wird ab 18 Uhr ein Sommerfest mit Helfergrillen beim Bürgerhaus veranstaltet. Mit Blick auf die Brandruine kann dann erörtert werden, mit welchen Mitteln eine neue Jugendhütte entstehen kann.

Schon die nun abgebrannte Hütte war mit großer Eigeninitiative aus den Reihen des Vereins und mit Hilfe zahlreicher Sachspenden eingerichtet worden.

Beim Sommerfest soll auch über den Wettbewerb „Dorf mit Zukunft“ des Landkreises Wesermarsch gesprochen werden. An dem will sich Neuenfelde beteiligen, um zu zeigen, wie lebenswert das Dorf ist. „Gerade nach so einem Wochenende mit einem Feuer, das fast den Dorfmittelpunkt zerstört hat, merkt man, wie schön es ist, in einem Dorf mit einem guten Zusammenhalt zu leben“, findet Melanie Gloystein.

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg