Achterstadt - Das langgestreckte, schlicht gehaltene Gebäude an der Achterstädter Straße 10 sieht aus wie ein kleiner alter Bauernhof. Nicht wie die Schule, die es einmal war. Und noch nicht wie der Künstler-Treff, den Ysabel Sureth daraus machen will.
Hier, am südwestlichen Rand der Gemeinde Stadland, will die Galeristin einen kreativen Hot-Spot errichten, wie sie sagt, einen Anziehungspunkt für Kunstinteressierte. Dabei gibt es hier schon einen solchen Anziehungspunkt: die Galerie, die sie zusammen mit ihrer Frau Sybille Staude betreibt. Sie liegt der alten Schule genau gegenüber.
Und das ist der Clou: Zwei Orte für die Kunst in einer winzigen Ansiedlung unweit der Bundesstraße 437, an der die meisten achtlos vorüberfahren. Vor sechs Jahren haben die beiden Frauen hier einen kleinen Bauernhof gekauft und in ein Schmuckstück für ländliches Wohnen verwandelt. Aus einer halb verfallenen Remise machten sie eine Galerie, in der sie einmal im Jahr leicht zugängliche Kunst präsentieren – ein kleines Schmuckstück in der Gemeinde Stadland.
Das Haus genau gegenüber soll keine zweite Remise werden, sondern eher ein Ort für experimentelle Kunst. Kaum waren die beiden Frauen vor vier Jahren eingezogen, kamen die damaligen Besitzer der alten Schule auf sie zu: Ob sie vielleicht Interesse hätten, das Objekt zu kaufen?
Schule mit Stall
Interesse hatten sie schon, aber ehe sich beide Seiten einig wurden, vergingen drei Jahre. Inzwischen wohnen die früheren Besitzer in Portugal, und Handwerker sind in die alte Schulte eingezogen.
Was deren Geschichte angeht, liegt noch einige Forschungsarbeit vor Ysabel Sureth. Das Gebäude scheint in den 30er oder 40er Jahre errichtet und bis in die 60er Jahre als Schule genutzt worden zu sein. Ein früherer Lehrer, jetzt wohl 80 Jahre alt, erinnert sich noch an einiges. Vom Schulmobiliar ist nichts mehr übrig: keine Tafel, kein Tisch, kein Stuhl. Nach der letzten Schulstunde übernahm ein Landwirt das Gebäude und baute einen Anbindestall für eine kleinere Zahl von Kühen.
Das Gebäude besteht aus zwei Bauabschnitten mit zusammen 480 Quadratmetern Grundfläche. Der kleinere Teil ist saniert, der größere Teil macht noch sehr viel Arbeit. Damit sollen die Handwerker im Herbst beginnen.
Vorher planen die beiden Kunstförderinnen eine Ausstellung in den Räumen: Die Cloppenburger Künstlerin Bärbel Hische will hier Metallinstallationen passend zum Ambiente zeigen. Die Ausstellung wird am Sonntag, 22. Mai, eröffnet – zusammen mit den Bildern von Michaela Mara in der Remise und den Metallkunstwerken des Bayern Franz Ferdinand Wörle im Garten der Galerie.
Malen und Yoga
Auch der Garten an der alten Schule soll neu gestaltet werden. Stephan Deberding von Garten- und Landschaftsbau Siefken aus Nordenham wird hier tätig – genau wie vorher im Garten der Galerie.
Die Schule soll Platz bieten für Experimente, für eine Sommerakademie mit Malen, Zeichnen und Bildhauer-Kursen, für Yoga und Gewaltfreie Kommunikation. Auch ein Artist in Residence, also ein Künstler, der hier ein paar Wochen arbeitet und lebt, soll kommen. Dafür muss auch Wohnraum geschaffen werden.
Ysabel Sureth, eine frühere Textilunternehmerin aus Bremen, die prägende Jahre in München und Wien verbracht hat, wird demnächst 56 Jahre alt. Und die Schlosserin Sybille Staude ist 58. In diesem Alter wollen sie noch einmal ein neues Projekt starten. Es wird das stille Achterstadt nicht lauter machen, aber bunter.
