Oldenburg - Es gilt niemand als Literatur-Banause, wer nie etwas von Ludwig Storch, Louise von Gänderrode oder Ferdinand Gutzkow gehört oder gar gelesen hat. Und als Musik-Analphabet darf niemand diffamiert werden, der bei Komponisten wie Nicholas Brodszky, Domenico Modugno oder Quirino Fidelino Mendoza y Cortés irritiert fragt: Wer soll das denn sein? Doch gerade bei denen geht den Hörerinnen und Hörern beim dreimal ausverkauften musikalischen Hit-Buffet zum Neuen Jahr im Staatstheater sowohl ein Licht als auch das Herz auf.
Roter Faden zieht sich durch
Was Brodszky angeht: Ach, von dem ist der Schlager „Be my love!“ Modugno: Ja, ja, „volare!“ Mendoza y Cortés: Hei, dieser Evergreen „Cielito lindo!“ Und so zieht sich ein roter Faden durch das geschickt und gescheit gebastelte Programm im Großen Haus. Ungehörte Namen, viel gehörte Musik. Fließend ineinander greifende Stücke vor allem aus Musicals. Bekannte Größen wie Jerome Kern, George Gershwin oder Leonard Bernstein. Dazwischen mal Klassiker wie Otto Nicolai oder Antonin Dvorak.
„Wir haben keine Mühen und Kosten gescheut“, bekundet der moderierende Generalintendant Christian Firmbach. Und in diesem fröhlich gestimmten Umfeld lässt auch das schmunzeln. Es muss nicht immer tiefere Bedeutung sein. Berührende Gefühle und mitreißende Rhythmen verstreuen eine Menge Glück des Augenblicks. Da kann Firmbach auch im Stile von Pelé mit rechter Klebe einen Befreiungsschlag ausführen. Wie weit? Mal sehen. „Wir sind jedenfalls dabei“, so Firmbach, „viele der bösen Geister zu verjagen.“
Prächtiges Terzett
Stark daran beteiligt ist das Staatsorchester. Das kann nicht nur gewaltigen Wagner. Es macht mit Spielfreude, Virtuosität, Wucht und feinen Schattierungen auch kleinere Dimensionen groß. Kapellmeister Vito Cristofaro führt straff und klar, ist ein glänzender Animateur. Voll gefordert sind die „Drei jungen Oldenburger Tenöre“ Gabe Clarke, Johannes Leander Maas und Mark Serdiuk. Ein prächtiges Terzett, das zusammen wie solistisch stimmgewaltig jede Menge hohe F, G und A bis unters Dach schleudert.
Dazu gehört selbstredend der Sopran, den alle umschwärmen. Das ist Martyna Cymerman, der die singenden Hochtöner nicht nur Stimmvolumen, sondern auch berückend zartes Timbre schenken. Solche nahe gehende Wärme hält die Sängerin gerade in der zart abgetönten Dynamik vor. Zusammen sind die Vier musikalisch und schauspielerisch Volltreffer.
Da lehnt sich das Publikum auch nicht rein genießerisch zurück. Es skandiert zu Bernsteins „West Side Story“ vielstimmig „Mambo!“ Und es arbeitet im Beifall hart, um auf der Bühne drei weitere Happen herauszuschinden. Haben alle Musikerinnen und Musiker gern oben drauf gelegt.
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