NEUSTADTGöDENS - So schwungvoll und so fröhlich wie jetzt in der ev.-luth. Kirche in Neustadtgödens geht es selten zu in den schönen alten Kirchen in der Region: Am Sonntag machte dort die friesische Folk-Gruppe „Laway“ auf ihrer „Winterleed-Tour“ Station und begeisterte die Zuhörer.

Schon eine viertel Stunde vor Beginn des Konzertes war in der Kirche kein Platz mehr zu haben. So freute sich der Gründer und Motor der Gruppe, Gerd „Ballou“ Brandt, der in Neustadtgödens zu Hause ist, gleich doppelt: Er begrüßte das Publikum auf Plattdeutsch und Hochdeutsch und erzählte zunächst vom Konzert in der vergangenen Woche.

Lieb gewordene Tradition

Eisige Temperaturen, Wind und Schnee hatten für musikalische Runden in kleinem Rahmen gesorgt, weil viele Leute sich nicht aus dem Haus trauten. Am Sonntag nun war das Wetter berechenbarer und so waren Musikbegeisterte aus dem ganzen Jeverland nach Neustadtgödens gekommen.

Für viele davon gehört die „Winterleed-Tour“ schon zu einer lieb gewordenen Tradition, denn „Laway“ tourt schon seit etlichen Jahren immer in den Wintermonaten durch die Kirchen der Region. So bedauerte zum Beispiel ein Paar, dass es in dieser Saison kein Konzert in der Gaukirche in Hohenkirchen gibt. Auch sie hatten den Weg nicht gescheut und waren kurzerhand nach Neustadtgödens gekommen.

Nach mehr als zweieinhalb Stunden war klar, dass sich auch weitere Wege gelohnt hatten: Spontan gab es stehende Ovationen für die fünfköpfige Gruppe, die zuvor durch Spielfreude und durch großes Können geglänzt hatte. Neben „Ballou“ (Gitarre und Gesang) spielte sein Sohn Keno an den Tasteninstrumenten, Petra Fuchs glänzte mit ihrer warmen Altstimme sowie an den Flöten, Tilo Helfensteller und Jörg Fröse zeigten sich einmal mehr als Tausendsassas an verschiedenen Instrumenten.

Lieder von Liebe und Leid

„Laway“ sang in plattdeutscher Sprache von Liebe und Leid, von den großen Themen in der Welt wie Krieg, Not und Tod, aber auch von Festen, von Bräuchen und vielem mehr. Immer wieder erklangen wunderschöne Tanzlieder, angelehnt an irische Weisen aber auch melancholische Melodien.

Dabei nahm Ballou Brandt in seiner Moderation kein Blatt vor den Mund. Im Zusammenhang mit einem Lied zur Erinnerung an die Kinder, die im Holocaust umgekommen waren, forderte er, dass die ehemalige Synagoge in Neustadtgödens, die sich in Privatbesitz befindet, wieder einem „sinnvolleren Zweck dient“. Die Sanierung des Gebäudes sei schließlich einmal mit öffentlichen Mitteln gefördert worden. Er könne sich eine Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust aus der Region hier gut vorstellen, so Gerd Brandt, der dafür viel Beifall vom Publikum erhielt.

„Laway“ tourt noch den ganzen Januar über durch die Region, weitere Konzerttermine sind am 1. Januar um 17 Uhr in der Deichkirche Carolinensiel, am 6. Januar um 19 Uhr in der St. Stephanus-Kirche Schortens, am 10. Januar, 17 Uhr, in der St. Nicolai-Kirche Wittmund und am 15. Januar, 20 Uhr, in der St. Martin-Kirche Zetel.

www.laway.de