Neustadtgödens - Mit einer neuen Sonderausstellung, die die für die Entwicklung von Neustadtgödens prägende Leinenweberei und den Leinenhandel beleuchtet, startet das Museum im Landrichterhaus an diesem Sonntag, 24. März, im 475. Gründungsjahr von Neustadtgödens in die neue Saison. Konzipiert hat die Ausstellung Stefan Horschitz vom Zweckverband Schlossmuseum Jever, zu dem auch das kleine Museum in Neustadtgödens gehört.

Sonderausstellung „Leinen-los – 475 Jahre Hafen, Leinenweberei und religiöse Vielfalt in Neustadtgödens“

Anno 1544 wurde der Flecken Neustadtgödens gegründet und in diesem Jahr feiert der Ort sein 475-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum nimmt das Museum im Landrichterhaus zum Anlass, die Geschichte des Ortes in einer Sonderausstellung zu würdigen.

Die Ausstellung „Leinen-los 475 Jahre Hafen, Leinenweberei und religiöse Vielfalt in Neustadtgödens“ zeigt das Aufblühen Neustadtgödens’ zum Handelsort, als Leinen dem Ort zum Wohlstand verhalfen, bis zum wirtschaftlichen Niedergang ab Mitte des 18. Jahrhunderts.

Mitte des 17.Jahrhunderts waren rund 60 Weber im Ort nachweisbar – zehn Prozent der Gesamteinwohnerzahl. Die Händler verkauften die Ballen in den Niederlanden. Mit dem Übergang Ostfrieslands an Preußen änderten sich die wirtschaftlichen Bedingungen radikal.

Das Museum im Landrichterhaus, Brückstraße 19, ist dienstags bis samstags von 17 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt frei.

Unter dem Titel „Leinen-los“ zeigt die Ausstellung Aufstieg und Niedergang der ganz auf den Export ausgerichteten Leinenweberei im 17. und 18. Jahrhundert. „Man kann nach Detroit gucken und den Aufstieg und Niedergang der Stadt dort am Bespiel der Autoindustrie verstehen, oder man guckt sich die ursächlich mit dem Ort zusammenhängende Geschichte in Neustadtgödens anhand der Leinenweberei an“, sagte Bürgermeister Stephan Eiklenborg. Das biete einen interessanten Blick in einen wirtschaftlichen Mikrokosmos.

Die Ausstellung zeigt nicht nur die Entstehung und Bedeutung der Leinenweberei für Neustadtgödens, betont Stefan Horschitz. Es gibt auch einen experimentellen Teil: Hinter dem Landrichterhaus wird auf einem kleinen Feld Flachs angebaut, der im Sommer ausgerauft – geerntet – wird. Anschließend sollen die Flachsfasern weiterverarbeitet und zu Leinen gewebt werden.

Ein bedeutende Figur seiner Zeit war der mennonitische Weber und Leinenhändler Peter Alberts Swart (1688-1750). In dessen Rolle schlüpft Gästeführer Werner Kleinschmidt und wird im Lauf der Saison die Besucher an die für den Leinenhandel wichtigen Orte in Neustadtgödens mitnehmen. Eine erste Gästeführung soll es am Sonntag, 7. April geben. Im Landrichterhaus, das heute ab 11 Uhr geöffnet ist, zeigen Gunda Kleinschmidt und Ralf Hilbers an Spinnrad und Webstuhl die Flachsverarbeitung.