Neustadtgödens - Das Museum im Landrichterhaus in Neustadtgödens präsentiert vom 22. März an die erweiterte Sonderausstellung „Leinenlos“: Sie ist bis zum 1. November im Museum an der Brückstraße zu sehen.
„Die Sonderausstellung 2019 ,Leinenlos‘ gestaltete sich so erfolgreich, dass wir uns entschieden haben, die Ausstellung auch in der Saison 2020 zu zeigen und sie zu ergänzen“, sagt Museumsleiter Stephan Horschitz: Dazu wird der Fokus auf die Auswirkungen der Leinenweberei in Neustadtgödens auf die Friesische Wehde gelegt. Denn dort entstand im 19. Jahrhundert eine Hochburg der Textilfertigung im Oldenburger Land. Ihre Anfänge reichen jedoch schon in das 17. Jahrhundert zurück und wurden entscheidend von den Verhältnissen in Neustadtgödens geprägt.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts waren ca. 100 Weber und ihre Familien in Zetel und Umgebung von den Leinenreedern in Neustadtgödens abhängig. Noch deutlicher war dies bei den Ammerländer Spinnerfamilien – das waren rund 600.
Diese ökonomische Vormachtstellung Neustadtgödens’ lässt sich noch heute im Ort durch die vielen Kirchen nachvollziehen. Vier der fünf Religionsgebäude konnten in dieser Zeitspanne errichtet werden und dienten neben religiösen auch repräsentativen Zwecken der Religionsgemeinschaften.
Anhand von Beispielen zeichnet die erweiterte Ausstellung die eng verwobenen wirtschaftlichen Beziehungen der Reeder mit ausländischen Leinenwebern und Spinnern nach. Dabei geht es auch um die ständigen Auseinandersetzungen zwischen den Regierungen Ostfrieslands und Oldenburgs. Erst mit der Regierungsübernahme der Preußen 1744 erfolgte ein Wandel in den Handelsbeziehungen, in deren Folge die Herrlichkeit Gödens ihre wirtschaftliche Vormachtstellung verlor.
Nutznießer waren die Weber der Friesischen Wehde, die diese Lücke nutzten und selbst zu einem starken Zentrum der Textilherstellung und des Vertriebes wurden.
