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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Neutöner und romantischer Künstler zugleich

07.01.2013

Oldenburg „Ich bin ein Kind unserer Zeit, kein Traditionalist, sondern ein zeitgenössischer Komponist. Ich schreibe meine Musik in Kenntnis der Atombombe und von Tschernobyl“. Thomas Schmidt-Kowalski verstand sich als „Neutöner“, der neue Musik da schafft, wo er steht, mit einer „Brücke über die Zeit“ und Erinnerungen an ihre Wurzeln.

Und auch dieses Wort des gebürtigen Oldenburgers ist überliefert. Es bezeugt seine Position als „romantischer“ Künstler in dieser Zeit: „Romantik ist ein überzeitliches Phänomen. Sie ist im menschlichen Leben verankert und nicht ein abgelegter Teil der Musikgeschichte.“

Fraglos hatte es Schmidt-Kowalski, der die Auseinandersetzung mit der Avantgarde schon früh hinter sich ließ, nicht immer leicht, seine Musik gegen Ablehnung zu verteidigen, ihre Tonalität und ihr klassisch-romantisches Idiom zu rechtfertigen, das für ihn viel mit persönlichem Lebensgefühl, privater Lebenserfahrung, nichts dagegen mit Nostalgie, Anachronismus, gar „falschem Bewusstsein“ zu tun hat. Sein besonderes Sendungsbewusstsein, sein aus dem Humanum gespeistes Bedürfnis, die menschliche Sehnsucht nach einer anderen Welt zu bedienen, Problemen und Ängsten der heutigen Zeit ein positives (utopisches) Bild entgegenzusetzen, mag ihn dabei unterstützt haben.

Bilanziert man die Resonanz auf sein kompositorisches Schaffen – es umfasst außer Oper und Filmmusik alle Gattungen und hat die Werkzahl von 100 längst überschritten –, so dürften Zustimmung und Begeisterung letztlich weit überwiegen. Zahlreiche CD-Einspielungen (die im letzten Jahr uraufgeführte 5. Symphonie wird noch erwartet), Rundfunkaufnahmen, Aufführungen seiner Werke in europäischen Ländern, in Nordamerika, Mexiko, Südafrika, Australien, Japan sprechen für sich.

Eine besondere, gleichsam akademische Anerkennung wurde dem Oldenburger Komponisten und Furtwängler-Verehrer, Schüler von Frank Michael Beyer (Berlin) und Alfred Koerppen (Musikhochschule Hannover) mit Ursula Eisfelds Dissertation „Thomas Schmidt-Kowalski – ein romantischer Komponist an der Wende zum 21. Jahrhundert“ zuteil. Die 2012 in Buchform erschienene Arbeit – ihr entstammt das eingangs genannte Zitat – ist vom Internationalen Wissenschaftsverlag Peter Lang, Frankfurt am Main, herausgebracht worden und wurde mit Unterstützung der Oldenburgischen Landschaft gedruckt.

Auch als Dirigent eigener Werke, als Pädagoge (Musikschule Cloppenburg) und als gefragter und hoch geachteter Referent vor Studenten und Schülern trat Schmidt-Kowalski hervor. Seine Messe ist von den vereinigten Chören der Graf-Anton-Günther-Schule (Gymnasium des Landkreises Oldenburg) aufgeführt worden.

Am Sonnabend ist Thomas Schmidt-Kowalski, 63-jährig, nach schwerer Krankheit in Oldenburg gestorben.


Kondolieren unter   www.nwztrauer.de