NEW YORK - Ballhaus lebt in Berlin, New York und Hollywood. Ab Mitte September will der Kameramann eine Drehpause einlegen.
Von Barbara Munker
NEW YORK - Michael Ballhaus wird an seinem 70. Geburtstag am Freitag hart arbeiten, allerdings in illustrer Gesellschaft. Der Berliner Kameramann mit dem „magischen Auge“ dreht seit Februar mit Leonardo DiCaprio, Jack Nicholson und Matt Damon unter der Regie von Martin Scorsese eine Hollywood-Version des chinesischen Gangster-Thrillers „Infernal Affairs“.„Bis zu 14 Arbeitsstunden am Tag; das ist sehr anstrengend“, räumt Ballhaus nach einem nächtlichen Dreh in New York ein. Aber es ist auch „der tollste Beruf, bei dem man die tollsten Leute trifft und mit seinen Bildern wunderbare Geschichten erzählen kann“. Zudem ist Star-Regisseur Scorsese längst „ein Freund“ geworden. Es ist ihr siebtes gemeinsames Projekt. „Was immer Scorsese drehen möchte, da mache ich mit. Er ist eben mein Lieblingsregisseur“, bekennt Ballhaus.
Mit „After Hours“ fing 1984 sein Aufstieg als Scorseses Haus-und-Hof-Kameramann an. Es folgten die Spieler-Saga „Die Farbe des Geldes“, der Jesus-Film „Die letzte Versuchung Christi“, das Mafia-Drama „Good Fellas“, „Zeit der Unschuld“ und zuletzt das Historienepos „Gangs of New York“, für das Ballhaus 2003 seine dritte Oscar-Nominierung erhielt.
Wie Scorsese ging er in jener Nacht leer aus. „Natürlich würde man das Ding gerne mal nach Hause tragen, aber mir ging es immer viel mehr um die Arbeit, als um die Trophäen“, meint Ballhaus. „Und drei Nominierungen sind ja auch nicht schlecht.“ Die erste gab es 1987 für „Nachrichtenfieber“, die nächste zwei Jahre später für „Die fabelhaften Baker Boys“.
Mit Ehefrau Helga, die ihn an alle Drehorte begleitet, will Ballhaus ab Mitte September „zu Hause in Berlin“ eine Drehpause einlegen, dann aber das Pendlerleben zwischen Deutschland und den amerikanischen Wohnsitzen in New York und Hollywood fortsetzen. „Schönen Versuchungen und tollen Angeboten“ könne er nicht widerstehen. Und daran mangelt es nicht.
Seit 1982 drehte er in den USA 38 Filme. Francis Ford Coppola engagierte ihn für „Bram Stoker’s Dracula“, Wolfgang Petersen für den Thriller „Outbreak“. Für Mike Nichols rückte er „Die Waffen der Frauen“ ins rechte Licht, für Robert Redford erzählte er „Die Legende von Bagger Vance“ in schönen Bildern.
Ein „Star“ hinter der Kamera war Ballhaus schon in den 70er-Jahren in Deutschland, wo er mit Rainer Werner Fassbinder 15 Filme drehte, darunter „Martha“, „Die Ehe der Maria Braun“ und „Lilli Marleen“. Seine „entfesselte Kamera“ prägte den Neuen Deutschen Film.
Markenzeichen des Ballhaus-Looks sind flüssig-elegante Fahrten, sattes Licht und die berühmten kreisenden Kamerabewegungen rund um die Darsteller. Seiner Leidenschaft für Bilder und Theater, die er schon als junger Bühnenfotograf in Berlin entdeckte, schreibt er seinen Erfolg zu.
Die Söhne Sebastian und Florian haben die Begeisterung fürs Bild geerbt. Der jüngere habe gerade als Kameramann mit Jodie Foster gedreht. Die Schauspielerin habe ihm persönlich Komplimente über die gute Arbeit des Sohnes gemacht, erzählt der stolze Vater. Der ältere ist als Regisseur und Produzent tätig.
