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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Mutterschaft ganz ohne Glamour

31.05.2018

New York Seitdem Schauspielerin Charlize Theron (42) in „Monster“ mit viel Zusatzgewicht und übel hässlich geschminkt die Massenmörderin Aileen gespielt hat, ist sie für die einen eine furchtlose Heldin, die für jede Rolle tut, was verlangt wird – und für die anderen ein weiteres Beispiel dafür, dass es am Ende ziemlich mutlos ist, sich als Hollywood-Schönheit für ein Projekt ein wenig heruntergekommen zu präsentieren.

Auch in „Tully“ könnte der Südafrikanerin wieder dieser Vorwurf gemacht werden: Um den Alltag einer dreifachen Mutter möglichst realistisch zu zeigen, verzichtet Theron darin erneut auf geglättetes Make-up und hat gut 20 Kilo zugenommen. Der Film ist ab diesen Donnerstag in den Kinos zu sehen.

Sie spielt Marlo, eine Frau Anfang 40, die mit ihrem immer leicht abwesenden, aber grundguten Mann Drew (Ron Livingston) und ihren zwei Kindern in einem Vorort von New York wohnt. Spätestens als zur achtjährigen Sarah und dem Anzeichen von Autismus zeigenden Vorschüler Jonah noch ein Baby hinzukommt, ist Marlo endgültig überfordert.

Ihr Unternehmer-Bruder (Mark Duplass) hat die rettende Idee und schenkt ihr eine „Night Nanny“, ein Kindermädchen, das abends ins Haus kommt, nachts über das Kind wacht und Marlo nur weckt, um es ihr an die Brust zu legen. Zunächst zögert sie, doch als die freigeistige Hipster-Mary-Poppins Tully (Mackenzie Davis, deren unfassbar natürliche Chemie mit Theron den Film erst wirklich zum Scheinen bringt) vor der Tür steht, wird sie schnell zur unverzichtbaren Hilfe und besten Freundin.

Mit einem schlechteren Team wäre diese Geschichte zur schlichten Selbstverwirklichungsstory einer letztlich privilegierten Familie geworden. Doch nicht nur das gute Ensemble, sondern auch das Team hinter der Kamera stellen sicher, dass eine manchmal witzige, aber immer aufrichtige Story erzählt wird. Drehbuchautorin Diablo Cody und Regisseur Jason Reitman arbeiten zum dritten Mal zu einem ähnlichen Thema zusammen.

Im Kern geht es erneut um die Frage, wie wir mit unseren Träumen umgehen und warum wir uns so selten erlauben, was uns eigentlich gut tun würde. „Tully“ geht dem mit klugen Gags, einem großen Herz und spannenden Wendungen nach.

Und Charlize Theron? Vielleicht ist es 15 Jahre nach „Monster“ an der Zeit, ihr endgültig Anerkennung für ihre unfassbare Wandelbarkeit auszusprechen. Egal ob mit Glatze in „Mad Max“, als Ex­trem-Spätpubertierende in „Young Adult“ oder jetzt in „Tully“: Ihre Oscar-Rolle in „Monster“ war kein Ausrutscher. Hier blickt sie nach der Geburt verschwitzt desillusioniert durch den Kreißsaal, legt extrem viel in einen sehnsüchtigen Blick zu ihrer neuen Freundin oder sitzt nur im BH bekleidet am Abendbrottisch. Theron veredelt den Film mit viel Wärme und schauspielerischer Brillanz.

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