New York - Wenn man Lionel Richie trifft, kann schon ein einfacher Gruß zum Problem werden. Denn wie begrüßt man jemanden, der das Wort „Hello“ mit einem Welthit 1983 quasi für sich besetzt hat? „Die Menschen sagen zu mir: ,Hello, Mr. Richie. Sorry! Ich wollte nicht Hello sagen, das ist mir jetzt aber peinlich‘“, erzählte der Sänger jüngst in einem Interview mit dem Magazin „GQ“.
„Hello“ ist nur einer der vielen Welthits aus der jahrzehntelangen Karriere des Sängers, der am 20. Juni 70 Jahre alt wird: Ob „Truly“, „Say You, Say Me“ oder „Three Times a Lady“ – viele seiner Songs sind längst Klassiker und laufen weltweit im Radio rauf und runter. Sogar er selbst höre seine Lieder „die ganze Zeit“ zufällig im Radio, sagt Richie – und freue sich. „Ich höre dann weg für eine Minute oder so, rede mit jemandem und denke plötzlich: ,Oh, was für ein guter Song.‘ Und dann: ,Oh, das ist ja meiner‘.“
Bescheidenheit war noch nie Richies größte Stärke, aber dafür haben ihm seine eigenen Songs sogar durch Lebenskrisen geholfen. „Ich bin durch eine schmerzvolle Zeit in meinem Leben gegangen, als ich gleichzeitig meinen Vater verloren und mich scheiden lassen habe“, erzählte er einmal dem britischen „Mirror“. Ein Freund habe ihm dann gebeten, sich ein paar Platten anzuhören – Richies eigene Lieder. Er habe angefangen, den Texten zu lauschen – „dieses Mal aus der Sichtweise von jemandem, der die Botschaft braucht“.
Geboren wurde der Sänger als Lionel Brockman Richie Jr. 1949 in der Stadt Tuskegee im US-Bundesstaat Alabama. Während der Schulzeit spielte er so gut Tennis, dass er ein Stipendium für die Universität in Tuskegee bekam. Dort lernte er die Soul-Band Commodores kennen und wurde ihr Saxofonist und Sänger.
„Ich war zu klein für Basketball, zu dünn für Fußball, zu langsam fürs Sprinten. Der einzige Sport, den ich machen konnte, war Tennis. Aber auf dem Tennisplatz gab es keine Mädels. Dann bin ich auf die Bühne gekommen, und in der ersten Reihe schrien die Mädels. Da wusste ich: Das ist es.“ Die Commodores spielten als Vorgruppe der „Jackson Five“, und Richie schrieb die größten Hits der Band: Songs wie „Easy“, „Three Times a Lady“ und „Sail On“ sind noch heute Klassiker.
Als Songschreiber wurde Richie immer erfolgreicher und nahm bald auch Aufträge anderer Sänger an. Für den Country-Star Kenny Rogers schrieb er „Lady“, für den Film „Endless Love“ den gleichnamigen Titelsong.
Als die Beziehung zu den anderen Mitgliedern der Commodores zerbrach, wurde Richie als Solo-Sänger sogar noch erfolgreicher. Mit drei Erfolgsalben – „Lionel Richie“, „Can’t Slow Down“ und „Dancing on the Ceiling in den 80er Jahren weltweit bekannt. Vier Grammys und ein Oscar besiegeln seinen Status als Superstar.
Neben seinen Opa-Pflichten macht Richie heute weiter fleißig Musik, geht auf Tour und sitzt in der Jury der Show „American Idol“. An Rente denke er überhaupt nicht, sagt der Sänger: „Ich bin süchtig nach Erschöpfung. Ich liebe das Adrenalin.“
