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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Us-Einfluss: Die Kultur-Supermacht

18.08.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-08-21T07:38:07Z 280 158

Us-Einfluss:
Die Kultur-Supermacht

New York/Los Angeles Micky Maus, Superman und „Game of Thrones“. Coca-Cola und McDonald’s, Apple und Google und Facebook. Musik von Madonna und Michael Jackson, Bob Dylan und Beyoncé. Rocky Balboa und Michael Jordan. Filme mit Brad Pitt und Robert De Niro, Meryl Streep und Tom Hanks. Wo fängt es an, wo hört man auf, wenn man den kulturellen Einfluss der USA auf den Rest der Welt bemessen will? Das Image der Supermacht mag unter Präsident Donald Trump wanken, das Reich der (Pop-)Kultur beherrscht sie bis heute. „Amerikanische Kultur regiert die Welt“, schrieb das Magazin „Raconteur“ 2014.

Das gilt vor allem im Film: Mit blauhäutigen Wesen, einem Liebespaar auf der sinkenden Titanic und galaktischen Raumschiffen hat Hollywoods Traumfabrik weltweit die Spitzenplätze sicher im Griff. Den Verkaufsrekord rund um den Globus hält „Avatar - Aufbruch nach Pandora“ (2009) mit 2,79 Milliarden US-Dollar, gefolgt von „Titanic“ (2,19 Milliarden) und „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (2,07 Milliarden). Bezieht man steigende Ticketpreise der vergangenen Jahrzehnte ein, gehören auch „Vom Winde verweht“ (1939), der allererste „Star Wars“-Film aus dem Jahr 1977 sowie „E.T.“ zu den größten Verdienern der Kinogeschichte.

Der Einfluss Chinas, wo die weltweit zweitgrößte Filmindustrie zu Hause ist, wächst. Kein Film der Traumfabrik Hollywood kann heute international ein Kassenschlager werden, ohne auch im Reich der Mitte erfolgreich zu sein. Im Star Wars-Abenteuer „Rogue One“ spielen chinesische Filmstars mit, in der Neuauflage von „Independence Day“ kämpften Amerikaner und Chinesen gemeinsam um die Rettung der Erde – mit dem chinesischen Star Yang Ying als hübscher Kampfpilotin.

Der chinesische Film prescht voran: Chinas Regisseur Zhang Yimou drehte etwa die 140-Millionen-Dollar-Produktion „The Great Wall“ mit Matt Damon und Produzenten aus Hollywood. Wenn Tom Cruise in „Mission Impossible 3“ durch Shanghai rast oder die „Transformers“ Hongkong demolieren, dann hat Hollywood das wachsende chinesische Publikum im Auge. Doch der Zugang zum chinesischen Massenmarkt hat Hürden, es gibt Quoten und Zensur für ausländische Filme. Ein Handelskrieg der USA mit China könnte Hollywoods „Happy End“ gefährden. Zugleich stemmen sich andere Filmindustrien gegen die Allmacht der Studios aus Kalifornien, etwa die „James Bond“-Filme aus Großbritannien oder Werke aus Indien (Bollywood) und Nigeria (Nollywood).

TV-Serien können mit ihren viel geringeren Budgets auf diesem Level nicht mitspielen, zum Massenkult geworden sind amerikanische Shows wie die „Simpsons“, „Akte X“, „Game of Thrones“ und „The Walking Dead“ trotzdem. Die Krimiserie „Navy CIS“ sahen 2016 weltweit 47 Millionen Menschen - damit heimst die CBS-Produktion den Titel als meistgesehene Serie beim Fernsehfestival in Monte Carlo zum dritten Mal in vier Jahren ein. Auch Comedy-Serien wie „The Big Bang Theory“ und „How I Met Your Mother“ sind außerhalb der USA beliebt.

In der Welt der Musik haben Komponisten, Instrumentalisten, Sänger, DJs und Produzenten aus den USA eine kaum messbare Menge an Genres und Sub-Genres vorbereitet, entscheidend geprägt oder selbst erschaffen. Unter Rockern heißen sie Bluegrass, Rockabilly, Heavy Metal, Ska, Punk Rock oder Emo, bei Freunden elektronischer Tanzmusik sind es Techno, House oder Trance, anderswo Hiphop, Funk, R&B und Soul. Diese in Zwischen-Genres und Untergruppen zersplitterten Geschmäcker haben Millionen Musikfans in den USA und anderen Ländern vereint, manchmal aber auch gegeneinander aufgebracht.

Keine Frage: Andere Länder (und ganze Kontinente) haben eigene Musikwelten erschaffen, Millionen Mexikaner oder Brasilianer hören eher Cumbia, Norteño und Samba. Mit „Despacito“ ging der Rekord für das meistgeklickte Youtube-Video kürzlich auch nicht an die USA, sondern an Luis Fonsi und Daddy Yankee aus Puerto-Rico. In vielen Teilen Afrikas und Asiens wird Musik aus der jeweiligen Region lauter und häufiger gespielt als die neue Single von Lady Gaga. Nur haben diese Künstler meist eben nicht die globale Reichweite wie ein von einem einflussreichen US-Label ins Ausland getragener Star.

In Musik, Film und Fernsehen hört der kulturelle Einfluss nicht auf. In der Kunst sind die Namen Andy Warhol, Jackson Pollock oder Jeff Koons heute bald genauso bekannt wie Michelangelo, Pablo Picasso oder Vincent Van Gogh. Die Mode von Ralph Lauren und Calvin Klein mag hinter Karl Lagerfeld, Donatella Versace und Giorgio Armani zurückstehen, die in den USA erfundenen oder dort popularisierten Jeans, T-Shirts und Baseballkappen finden sich heute trotzdem in den entlegensten Winkeln der Erde.

Ähnliches gilt in der Literatur: Stephen King, John Grisham und Dan Brown mögen in deutschen Feuilletons nicht als Hochkultur gelten, haben die Büchermärkte dank Dutzender Übersetzungen aber überschwemmt. Im Sport haben sich etwa Basketball und Football nicht nur außerhalb der USA etabliert, sondern mit ihnen auch die Art, wie deren Wettkämpfe beworben, verfolgt und gefeiert werden (an den Weltsport Fußball reichen sie trotzdem nicht heran). Selbst beim Essen haben die gern als kulinarische Stümper verschrienen Amerikaner sich etabliert: Pizza stammt aus Italien, wurde wie der Hamburger aber durch amerikanische Fast-Food-Ketten zum Straßensnack für Millionen.

„In Ländern rund um den Globus umarmen die Menschen die amerikanische Populärkultur und bewundern die USA für ihre Wissenschaft und Technologie“, schreibt das Pew Center in einer Studie von 2012. Das gilt in Russland, Indien, China und muslimisch geprägten Ländern viel weniger, auch dank deren heimischer Film- und Musikindustrien und politischer Zerwürfnisse. Für Deutschland gaben 94 Prozent der damals 18- bis 29-Jährigen an, Musik, Filme und TV-Shows aus USA zu mögen, bei den Befragten über 50 Jahren waren es nur 47 Prozent.

Welchem Land ein Song, eine TV-Serie oder ein Film „gehört“, lässt sich trotz ausgeprägter Urheberrechte oft kaum noch sagen. Konzerne wie Sony aus den USA, Bertelsmann aus Deutschland und Vivendi aus Frankreich (zu dem etwa Universal Music gehört) haben sich einen großen Teil des amerikanischen Entertainment-Kuchens einverleibt und verzerren das Bild, schreibt Professor Winfried Fluck, der am John F. Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin zur Kultur der USA und Amerikanisierung forscht.

Die kulturelle Schlagkraft der USA hängt auch damit zusammen, dass das Land von wirtschaftlichen Interessen beherrscht wird. Die auf Einschaltquoten, Werbeerlöse, Klickzahlen und Chartplatzierungen getrimmte, milliardenschwere Entertainment-Industrie hat längst auch ausländische Märkte im Visier. In Deutschland, wo Oper, Theater, Musik und Rundfunk vom Staat mitgetragen werden, hängt Kultur viel stärker am finanziellen Tropf der Steuerzahler. Diese Kunst soll zuallererst bei den Bürgern ankommen und erst an zweiter Stelle als „soft power“ ins Ausland exportiert werden.

Eine Mischung aus künstlerischer Freiheit, Unternehmergeist und fetten Budgets festigte die (pop-)kulturelle Vormachtstellung der USA über Jahrzehnte. Sehr oft waren dabei Talente aus dem Ausland die treibenden Kräfte, die unter Trump ihre Rolle in der amerikanischen Gesellschaft nun hinterfragt sehen. Im Kino werde den Vereinigten Staaten so schnell jedenfalls kein Land das Wasser reichen können, schreibt das Magazin „Foreign Policy“: „Wenn Hollywood weiterhin die Besten und Hellsten aus dem Ausland anzieht, wird Hollywood unantastbar bleiben, egal wie weit der Rest Amerikas verfällt.“