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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Entscheidung Aus Stockholm: Nobelpreis für Literatur an Franzosen Modiano

10.10.2014

Stockholm In seinem Werk ein Spurensucher mit klarer Sprache und melancholischer Stimmung, privat menschenscheu: Der Franzose Patrick Modiano (69) ist der diesjährige Literaturnobelpreisträger. Damit gewann erneut ein westeuropäischer Autor den wichtigsten Literaturpreis der Welt und kein Schriftsteller aus einer Krisenregion oder aus den von der Schwedischen Akademie ebenfalls oft vernachlässigten USA. Modianos Werk befasst sich virtuos mit traumatischen Lebenswelten – angesiedelt meist im Paris während der deutschen Besatzung und in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

„Ich bin sehr berührt“, sagte Modiano in einer ersten Reaktion in einem Telefonat mit „nobelprize.org“. Er habe nie gedacht, diesen Preis zu bekommen, sagte der Autor fast stotternd. Seine Tochter habe ihm die Nachricht überbracht, er sei gerade auf der Straße in Paris in der Nähe des Parks Jardin du Luxembourg gewesen.

Bei einer Pressekonferenz sagte Modiano später: „Das ist fast irreal. Ich würde gerne wissen, warum die Akademie gerade auf mich gekommen ist.“ Sichtbar geniert erläuterte der Medienscheue: „Schreiben ist eine einsame Tätigkeit. Man versteckt sich hinter seinen Büchern.“

Das Preisgeld von 8 Millionen Schwedischen Kronen (rund 880 000 Euro) wolle er mit seiner Familie und Freunden teilen und mit seinem Enkelkind, das in Schweden lebe.

Es ist das 15. Mal, dass der Preis nach Frankreich geht. Das Land ist mit Abstand die am meisten ausgezeichnete Nation, vor Großbritannien und den USA mit jeweils elf Gewinnern. Modiano ist der 111. Träger des Preises. Zu seinen bekannten Werken gehören etwa „Villa triste“, „Aus tiefstem Vergessen“ und „Im Café der verlorenen Jugend“.

Für den deutschsprachigen Raum hat Mitte der 80er Jahre der Österreicher Peter Handke den Autoren entdeckt. Er übersetzte etwa dessen Romane „Die kleine Bijou“ und „Eine Jugend“. Handke gilt selbst als ein möglicher Kandidat für den Nobelpreis.

Modiano sei „ein Marcel Proust unserer Zeit“, sagte Peter Englund, Ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie. Die Bücher seien elegant und „nicht schwierig zu lesen“. Proust (1871-1922) gilt mit seiner monumentalen fiktiven Autobiografie „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ als einer der wichtigsten Erzähler des 20. Jahrhunderts. Gemeinsamkeit von Proust und Modiano ist auch die Familiengeschichte mit jüdischen Wurzeln - bei Proust war die Mutter Jüdin, bei Modiano der Vater.

In einem dpa-Interview erläuterte Englund: „Man könnte sagen, dass er in die Tradition von Proust gehört. Aber man kann die beiden nicht vergleichen, denn in vielerlei Hinsicht macht er etwas sehr Anderes.“ Ein wichtiges Thema des Erinnerungskünstlers Modiano sei das Problem, zurückzugelangen. „Du willst zurück, du willst dich dem nähern, was passiert ist, aber du bekommst nie ein klares Bild. Er spielt mit dem Detektiv-Genre: Etwas passiert, ein Rätsel muss gelöst werden, aber das wird es nie.“

Der Literaturkritiker Denis Scheck sagte der Nachrichtenagentur dpa auf der Frankfurter Buchmesse, Modianos Werk sei „im Grunde eine einzige große Beschwörung“. In vielen Büchern versuche der Autor, „den ermordeten Juden einen Platz in der Gegenwart einzuräumen“. In Deutschland sei Modianos Werk zwar präsent, „aber es hat noch nicht die notwendigen Leser. Doch das wird sich jetzt ändern.“

Modianos deutscher Verlag Hanser kündigte an, den neuen Roman des Autors, „Gräser der Nacht“, vorzuziehen und bereits in den kommenden Tagen auf den Markt zu bringen.

Im vergangenen Jahr hatte die kanadische Kurzgeschichten-Autorin Alice Munro den Literaturnobelpreis erhalten. Der Literaturnobelpreis wird seit 1901 vergeben. Verliehen wird er traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des schwedischen Preisstifters und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896).

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