NORDENHAM - Das Bild heißt Hammeniederung und wirkt leicht impressionistisch. Wann Emy Rogge dieses Werk gemalt hat, lässt sich nicht mehr in Erfahrung bringen, keines ihrer Bilder ist datiert. Aber bald wird es in vielen Nordenhamer Haushalten zu sehen sein: auf Weinflaschen.
Erlös für Projekte
Wer eine dieser Weinflaschen bei Vinum Bonum am Heetweg 28 oder in der Blumenboutique Meißner-Brown an der Bahnhofstraße 30 kauft, spendet damit 1,50 Euro für ein Förderprojekt des Lions-Frauenclubs Wesermarsch, der sich nach Emy Rogge benannt hat.
Wer ist Emy Rogge?
Sie ist „eine fast vergessene Künstlerin“, wie der Nordenhamer Dieter Auffarth in seiner 2007 erschienenen Biografie geschrieben hat. Der Kunstverein Nordenham möchte sie dieser Vergessenheit entreißen. Gelegenheit besteht dazu bei der Ausstellung, die der Verein an diesem Sonnabend ab 17 Uhr im Alten Rathaus eröffnet. Dr. Alice Gudera, freiberufliche Kunsthistorikerin aus Bremen, berichtet aus dem Leben Emy Rogges und ordnet ihr Schaffen kunsthistorisch ein.
Emy Rogge stammt aus Nordenham. Geboren wurde sie am 4. Juli 1866 auf dem Hof Picksburg bei Schweewarden, der damals von Verwandten ihrer Eltern bewirtschaftet wurde. Ab 1873 besuchte sie die damalige Schule auf der Atenser Wurt. Schon als Schülerin erhielt sie Zeichenunterricht, bald auch Privatunterricht in Dresden. An staatlichen Kunstakademien durften Frauen erst ab 1919 studieren. Ihre Eltern förderten sie und finanzieren die gute, solide Ausbildung, sagt Marlene Gerdes, die Vorsitzende des Kunstvereins Nordenham.
Vorbild Müller vom Siel
Emy Rogge blieb unverheiratet und verschrieb sich ganz der Kunst. Ihr Vorbild war Georg Müller vom Siel (1865 bis 1939), der bedeutendste Maler, den Nordenham hervorgebracht hat. Sie folgte ihm nach Dötlingen. 1922 siedelte sie in das Künstlerdorf Worpswede über, wo sie am 7. April 1959 mit 92 Jahren starb.
Emy Rogge hat nie den großen Durchbruch geschafft. Es fiel ihr nicht leicht, den Lebensunterhalt zu bestreiten. 20 Jahre lebte sie in Berlin, wo sie ein kleines, aber sicheres Einkommen als Kopistin hatte. Eine dieser Kopien, einen Holbein, hätte der Kunstverein haben können. Doch weil er zunächst zu wenig Platz hatte, verzichtete er.
Im Alten Rathaus zeigt der Kunstverein Radierungen, die weite Verbreitung fanden. Im Pavillon sind die Ölgemälde zu sehen, ruhige, harmonische Bilder aus der Natur. „Es sind Werke aus einer Zeit, die gerade vergangen ist“, sagt Marlene Gerdes. „In vielen Wohnzimmer hängen Bilder in diesem Stil.“
Es gab und gibt Kunstfreunde, die Bilder von Emy Rogge sammeln – auch in Nordenham. Viele von ihnen werden sich an diesem Sonnabend treffen.
