Nordenham - Jahr für Jahr sorgen sie für den krönenden Abschluss des Ellwürder Karnevalsprogramms. Wenn die Herren des Ellwürder Männerballetts die Bühne in der Friedeburg betreten, schlägt der Stimmungspegel im närrischen Tollhaus noch einmal kräftig aus. Regelmäßig bringen die Ballerinos die Stadthalle zum Kochen. Seit 30 Jahren ist das Männerballett fester Bestandteil im närrischen Reigen. Ellwürder Karneval ohne Männerballett? Das ist für viele undenkbar. Und so werden die Ballerinos auch am kommenden Samstag, wenn die nächste große Narrenparty in der Friedeburg steigt, ihr Publikum in Ekstase versetzen. Das ist so sicher wie das dreifache „Ellwürden helau“.

Die Geschichte des Männerballetts kennt keiner so gut wie Heinrich Schröder. Er ist nicht nur Programmchef der Narrenparty, sondern auch künstlerischer Leiter des Tanz-Ensembles und Gründungsmitglied. Als die Herren im Jahre 1989 ihren ersten Auftritt hatten, war Heinrich Schröder mit dabei. Neben ihm gehörten damals Peter Schmidt, Hans-Dieter Minßen, Heiner von Minden, Dirk Wemken, Werner Scholz, Helmut Trüper, und Peter Beyer zur Urbesetzung, die bei ihrer Premiere das Publikum mit einem Kosakentanz von den Hockern fegte. Nach dem frenetischen Beifall, den die Ballerinos ernteten, blieb ihnen gar nichts anderes übrig als weiterzumachen.

Wie Heinrich Schröder erzählt, gab es schon in den Jahren 1981 und 1982 ein Männerballett beim Ellwürder Karneval. Damals hatten sich Anwohner der Straße Am Panzenberg zusammengetan. Die Erfolgsgeschichte des Männerballetts begann 1989 mit dem legendären Kosakentanz, dem in den folgenden Jahren viele weitere spektakuläre Auftritte folgten. Die Männer waren schon als Jäger, als Griechen, als Mozarts, Heinos, Udo Lindenbergs, als Affen, Toreros, Clowns und Playboy-Hasen zu sehen. Bis 1991 war Edith Tantzen die Chefchoreographin. Anschließend übernahm Heinrich Schröder diesen Part. In diesem Jahr teilt er sich die Aufgabe mit Sina Pauls und seinem Sohn Lennard.

„Wir sind noch nie in Frauenrollen geschlüpft“, erzählt Heinrich Schröder. Und das soll auch so bleiben. Schließlich wollen die Männer keine Travestieshow auf die Bühne bringen und allein mit entsprechender Kostümierung ein paar Lacher einheimsen. Sie haben durchaus einen ambitionierten Anspruch. Wer das Männerballett schon einmal gesehen hat, weiß, dass die Mitglieder in Sachen Kraft und Ausdauer regelmäßig an ihre Grenzen gehen. Das wird in diesem Jahr nicht anders sein. Seit Anfang Januar wird jeden Sonntag trainiert: immer drei Stunden am Stück. „Anschließend gehen wir immer gut gelaunt nach Hause“, berichtet Heinrich Schröder. Wobei der eine oder andere Tänzer nach solchen Trainingseinheiten mitunter etwas unrund läuft. Der Muskelkater ist ein ständiger Begleiter in der Vorbereitung auf den großen Auftritt.

Was Taktgefühl und Geschmeidigkeit anbetrifft, ist bei den Herren durchaus noch ein bisschen Luft nach oben. Aber das macht nichts. Das ist sogar gut, findet Norbert Hartfil, Vorsitzender des Bürgervereins Ellwürden und ebenfalls langjähriges Ballettmitglied. „Wahrscheinlich kommen wir gerade deshalb so gut an, weil wir nicht perfekt sind.“ Gleichwohl sei es wichtig, sagt Heinrich Schröder, dass jeder seine Rolle annimmt. Welche Rolle das ist, bleibt bis zum Auftritt ein gut gehütetes Geheimnis.